Wichtige Lehrgeld-Erfahrungen aus 14 Jahren Selbstständigkeit

Einige Gespräche der letzten Zeit haben mich aufhorchen lassen. Ein wiederkehrendes Thema dieser Gespräche war „Ich habe schon so viel gemacht für…und bin nicht wirklich weiter gekommen. Was garantiert mir, dass ich dieses Mal den Durchbruch schaffe?“

Was sagt man zu so einer Frage?

Nun, es gäbe sehr viel dazu zu sagen. In diesem Artikel will ich mich auf einen Aspekt konzentrieren. Und der heißt: Lehrgeld-Erfahrungen.

Lehrgeld zu zahlen, tut erst einmal weh.

Wenn ich auf die 14 Jahre meiner Selbstständigkeit zurückblicke, habe ich einiges an Lehrgeld gezahlt. Auch ich habe an Coaching-Programmen oder Einzelcoachings/-Beratungen teilgenommen und bin nicht dorthin gekommen, wo ich eigentlich hinkommen wollte.

Das tut weh. Emotional und finanziell.

Und man ist in Gefahr, negative Gedanken und Gefühle zu entwickeln, sich selbst oder anderen gegenüber.

Doch damit macht man es noch schlimmer.

Ich betrachte das Lehrgeld, das ich gezahlt habe, als Investition, nicht als verlorenes Geld.

Ich habe mich entschieden, das Geld, das ich gezahlt habe, wie auch die Erfahrungen, die ich machen durfte, als Lehrgeld zu betrachten. Als Investition. Nicht als verlorenes Geld.

Hier einige der Fragen, dir mir in solchen Zusammenhängen gute Dienste leisten. Vielleicht ist die eine oder andere auch für Sie interessant.

  1. Was war meine ursprüngliche Motivation, an dem Coaching-Programm, Seminar o.dgl. teilzunehmen?

Bei mir spielt oft der Wunsch nach Wachstum und Weiterentwicklung eine Rolle. Und dieser Wunsch ist ungebrochen, ganz egal, wie weit einzelne Maßnahmen dazu beigetragen haben oder nicht.

  1. Was habe ich real daraus gewonnen?

Selbst wenn die ursprünglichen Ziele nicht erreicht wurden, nehme ich doch in jedem Fall etwas daraus mit. Möglicherweise ist das sogar wertvoller als das, was ich mir eigentlich erhofft hatte. Vielleicht ist es sogar die Erkenntnis, dass ich schon weiter bin, als ich eigentlich gedacht hatte.

  1. Warum habe ich die ursprünglich gesteckten Ziele nicht erreicht?

Hier kann es eine Reihe von Gründen geben, zum Beispiel:

  • das Timing passt nicht
  • zu viele andere Projekte gleichzeitig
  • Inhalte nicht passend: zu viel, zu unsystematisch, nicht zu meiner Situation oder meinen Werten passend
  • zu wenig Zeit für die Umsetzung geblockt
  • innere Blockaden
  • und vieles mehr.
  1. Was war die wichtige Lernerfahrung gerade aus dem Misslingen?

Zu den wichtigen Erfahrungen in diesen Fällen gehört für mich, eigene Erfolgs-Verhinderungs-Muster zu erkennen.  Auch wenn diese Erkenntnisse erst einmal  unangenehm sind, kann gerade daraus der Turnaround kommen.

  1. Wie mache ich aus dieser Situation nun das Beste?

Die Antwort darauf bedarf oft einigen Nachdenkens. Möglichkeiten können zum Beispiel sein:

  • Ich arbeite alles noch einmal neu durch und setze es um.
  • Ich gestehe mir zu, dass dieses Programm, Seminar o. dgl. nicht passend war und finde andere Wege, um das zu erreichen, worum es mir bei der Anmeldung ging.
  • Ich mache das Beste aus dem, was ich schon habe.
  • Durch die Beantwortung der obigen Fragen vermeide ich ähnliche Situationen in der Zukunft.
  • Ich finde Wege, diese Erfahrungen zu monetarisieren.

Es gibt keine Garantien – Der unternehmerische Weg ist ein Weg des Lernens

Um noch einmal auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Wer oder was garantiert mir, dass es beim nächsten Anlauf funktioniert?

Meine Meinung dazu ist:

  1. Es gibt keine Garantien.
  2. Es ist sogar hinderlich, nach Garantien zu suchen. Der unternehmerische Weg ist ein Weg des Lernens. Der Ansatz, etwas nur zu tun, wenn ich eine Garantie habe, dass es funktioniert, verhindert Lernen. Das gleiche gilt, wenn ich mich selbst total unter Druck setze „Dieses Mal muss es gelingen“.
  3. Die Suche nach Garantien verschiebt die Verantwortung. Sowohl für das unternehmerische wie auch für das persönliche Wachstum ist es wichtig, Verantwortung für die eigenen Entscheidungen – oder Unterlassungen – zu übernehmen. Was kann ich selbst tun, damit es beim nächsten Mal besser funktioniert?
  4. Die Suche nach Garantien kann das Wachstum verhindern. Es kann dazu führen, sich mehr auf das Vermeiden schmerzhafter Erfahrungen zu fokussieren als auf die Verwirklichung dessen, was wirklich wichtig ist. So wie in Beziehungsfragen es Menschen gibt, die nie wieder eine Beziehung eingehen, weil sie in einem Fall enttäuscht worden sind.
  5. Oft kommt noch hinzu, dass sich das „ich habe schon so viel unternommen…“ bei näherem Hinsehen entpuppt als eine recht überschaubare Zahl von Maßnahmen.

Ich kann es nur noch einmal wiederholen. Der Weg des Unternehmers ist ein Weg des Lernens. Hätte Thomas Edison nach den ersten drei Anläufen aufgegeben, würden wir heute unsere Häuser wohl noch mit Kerzen beleuchten. Glücklicherweise hat er weiter experimentiert.

Der „Trick“ besteht nicht darin, nach Garantien für die Zukunft zu suchen. Sondern darin, die früheren Erfahrungen sauber zu analysieren, die Verantwortung dafür zu übernehmen und so oft einen neuen Anlauf zu machen, bis das gewünschte Ziel erreicht ist.

Lehrgeld ist das Geld, das man für das Privileg zahlt, lernen zu dürfen. Klick um zu Tweeten Lehrgeld zu zahlen, ist nichts Ehrenrühriges. Klick um zu Tweeten Wie können Sie das Lehrgeld, das Sie gezahlt haben, in eine Investition umwandeln? Klick um zu Tweeten

 

Bildnachweis:

Beitragsbild: Pixabay

 

Danke fürs Teilen:-)
Monika Birkner
 

Ich unterstütze Solo-Unternehmer, ihre Einzigartigkeit wertzuschätzen und damit ein erfolgreiches, verkaufsfähiges Business zu kreieren. Wenn Sie eine ganzheitlich-systematische Arbeitsweise lieben - ob im Rahmen von Coaching-Programmen oder 1:1-Zusammenarbeit - und bereit sind für echte Durchbrüche im Denken, Handeln und in den Ergebnissen, ist eine Discovery Session mit mir ein guter nächster Schritt. Mehr dazu auf meiner Seite "Angebote".

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Christa Pistor - 21. August 2015

Hallo Frau Birkner

Ich bin genau Ihrer Meinung und sehe die Kosten für ein Seminar/Webinar immer als eine Investition für Wachstum und Weiterentwicklung.

Es gibt immer etwas, was ich daraus für mich entnehmen kann. Sollte ich die ganze Materie schon kennen, wird jedoch oftmals etwas wieder in Erinnerung gerufen, was sich wohl im Gehirn versteckt hatte.

Egal in welchem Alter man ist, es ist immer wieder interessant, neue Dinge zu erfahren und auch anzuwenden.

Sonnige Grüsse aus der Schweiz
Christa

Reply
    Monika Birkner - 22. August 2015

    Hallo Frau Pistor,

    danke für Ihren Kommentar. Ihre Haltung gefällt mir:-)

    Ja, manchmal scheint sich Wissen, das schon vorhanden ist, im Gehirn zu verstecken. Und manchmal ist es einfach auch nötig, noch mehr Verbindungen zwischen den einzelnen Puzzleteilen herzustellen, so dass ein neues Verständnis möglich wird, sei es in Bezug auf das einzelne Puzzleteil oder auch die Gesamtzusammenhänge.

    Reply
Christina Bodendieck - 17. August 2015

Liebe Frau Birkner,
danke für diesen wunderbaren Artikel.
Der persönliche, individuelle Weg, den wir in der Selbstständigkeit gehen ist immer mit lernen und Erfahrungen verbunden. Wir entscheiden, wie wir unsere Erfahrungen bewerten und was wir daraus machen. Ich profitiere sehr von meinen Erfahrungen auch wenn ich ab und zu Lehrgeld zahle.
Herzliche Grüße
Christina Bodendieck

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    Monika Birkner - 17. August 2015

    Liebe Frau Bodendieck,

    danke schön für Ihren Kommentar. Selbst zu entscheiden, wie wir unsere Erfahrungen bewerten und was wir daraus machen, finde ich einen entscheidenden Schlüssel. Auch das hat mit Freiheit zu tun. Es ist unser eigener Weg, den wir gehen. Außenstehende können dazu eine Meinung haben. Aber sie stecken nicht in unserer Haut. Sie können nicht den Weg für uns gehen.

    Reply
Bianka Maria Seidl - 16. August 2015

Liebe Monika,

danke, für diese wieder sehr anschaulichen und klaren Worte. In der Tat habe ich bereits viel Lehrgeld bezahlt als große Autodidakten in den langen Jahren meiner Selbstständigkeit. Ich habe es stets so empfunden, dass mich auch diese Erfahrungen weitergebracht haben und daher einen Teil meines großen Erfahrungsschatzes ausmachen. Das was zählt, damit wir uns weiter entwickeln, ist nicht, dass es uns immer gut geht und alles immer sofort gelingt. Vielmehr geht es darum, dass wir auf unserem Weg lernen auch die schmerzhaften und schwierigen Lernerfahrungen zu akzeptieren und sie sogar als die Perlen in unserem Erfahrungsschatz zu schätzen wissen. Der Satz „Aus Fehlern wird man klug, darum ist einer nicht genug“ trifft es ziemlich gut, meiner Meinung nach.

Reply
    Monika Birkner - 17. August 2015

    Liebe Bianka,

    danke schön für deinen Kommentar. Die Aussage, dass es nicht darum geht, dass es uns immer gut geht, sondern dass wir auch die schmerzhaften Erfahrungen akzeptieren und sogar als Perlen zu schätzen wissen. Ich erlebe es von Jahr zu Jahr deutlicher, dass alles, was ich erlebe, einen tieferen Sinn hat und mir auf irgendeine Weise dient. Je mehr ich das erkenne, desto gelassener kann ich mit solchen Situationen umgehen.

    Reply
Sabine Piarry - 15. August 2015

Lehrgeld zu bezahlen ist genau so normal wie ab und zu mal im Restaurant etwas vorgesetzt zu bekommen, das man eigentlich nicht haben wollte. Vor allem im Ausland, wenn man die Speisekarte interpretiert statt übersetzt.

Beim Lernen habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich aus allem einen Gewinn ziehen kann.

In mich zu investieren, um weiterzukommen ist einer der schönsten Möglichkeiten, sich selbst wert zu sein.

Nette Samstagsgrüße von Sabine

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    Monika Birkner - 15. August 2015

    Liebe Sabine,

    ein sehr schöner und anschaulicher Vergleich, den sicher jeder nachvollziehen kann, der schon einmal im Ausland vor einer Speisekarte saß. Niemand würde aufhören, Restaurants zu besuchen, wenn es ihm einmal nicht geschmeckt hat. Warum also sollte man mit Investition in sich selbst aufhören? Diese als eine Form der Selbstwertschätzung zu sehen, gefällt mir sehr. Danke schön für deinen Kommentar.

    Reply
Kathrin Stamm - 15. August 2015

Liebe Monika, das ist ein wunderbarer Artikel! Ich kann das alles unterschreiben.
Den eigenen Weg finden ist der erste Abschnitt und die zweite ist dann der Weg zum Kunden bzw. dass er zu mir findet. Um dieses Thema habe ich mich lange drumherum gedrückt, weil ich dachte, dass ich mir das sparen kann. Haha. Gerade die Auseinandersetzung damit hat mich von meiner Persönlichkeitsentwicklung auf eine neue Stufe gebracht. Der erste vor dem zweiten Schritt war wichtig und stimmig für mich, hätte jedoch im Rückblick nicht so großen zeitlichen Abstand gebraucht. Das Geld NICHT schon früher in Positionierung und Marketing investiert zu haben könnte ich eher als teures Lehrgeld bezeichnen. Der Spruch „hinterher ist man schlauer“ trifft eben immer wieder zu. Und noch so eine Volksweisheit: Alles kommt zur rechten Zeit. Dank deiner Positionierung und Sichtbarkeit 🙂 bin ich auf dich gekommen und durch dein Programm bereits ein gutes Stück voran gekommen. Ich freue mich auf alles, was noch kommt!

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    Monika Birkner - 15. August 2015

    Liebe Kathrin,

    danke schön für deinen Kommentar. Ich sage manchmal, dass viele Solo-Unternehmer versuchen, auf einem Bein zu stehen, nur dem der fachlichen bzw. persönlichen Weiterentwicklung ohne das zweite Bein der Positionierung und des Marketings. Insofern ist die Nicht-Investition in der Tat auch wichtiges Lehrgeld.

    „Alles kommt zur rechten Zeit“ – ja, davon bin ich auch fest überzeugt. In meinem eigenen Leben und Business hat sich das wieder und wieder bestätigt.

    Insofern freue ich mich ganz besonders, dass du zur rechten Zeit in mein Programm gekommen bist und in der Zwischenzeit bereits so viel umgesetzt hast, u.a. dein wunderbares neues Blog.

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