Perfektionist? Machen Sie das Beste daraus (FBP005)

Ist Perfektionismus  ein  Feind, der bekämpft werden muss? Ist „unperfekt“ der neue Standard?  Meine Antwort: Ein klares NEIN.  „Unperfekt“  hat mehr Risiken als Vorteile.  Hohe Qualitätsmaßstäbe sind Ihnen selbst und Ihrem Business förderlicher – vorausgesetzt, Sie beherzigen die drei Prinzipien, die ich in dieser Episode erläutere. Erfahren Sie außerdem, was Schokoriegel und zerbrochene Fenster damit zu tun haben.

Hier können Sie die aktuelle Episode meines Freedom Business Podcast anhören (es dauert einen kleinen Moment, bis der Player lädt)

Perfektionismus: Kein zwanghaftes Verhalten, aber hohe Maßstäbe

Um es ganz klar  zu sagen: Wenn im Folgenden von Perfektionismus die Rede ist, dann ist damit keineswegs zwanghaftes Verhalten gemeint.

Sondern ich verwende den Begriff, weil ich ihn so sehr oft höre. Und zwar in Situationen, in denen es einfach nur um hohe Maßstäbe geht.  Hohe Qualitätsstandards. Hohe Ansprüche an die Ergebnisse, die man produziert.

Hohe Maßstäbe finde ich gut.

Ich möchte als Kunde nicht zu einem Arzt gehen, der es bei der Diagnose oder bei seinen Maßnahmen nicht so genau nimmt. Und das gilt auch für alle anderen Dienstleistungen und Produkte, die ich in Anspruch nehme.

Meine Erfahrungen aus der Markenartikelindustrie:
Marke = gleichbleibend hohe Qualität

Vor meiner Selbstständigkeit hatte ich in der Markenartikelindustrie gearbeitet, und zwar für sehr angesehene Marken. Mein Markenverständnis rührt aus dieser Zeit.  Es besagt:

Eine Marke verspricht gleichbleibend hohe Qualität.  Dieser Anspruch muss erfüllt werden, Tag für Tag. Im Podcast erzähle ich ein Beispiel, in dem es um Schokoladenriegel geht und das sehr schön deutlich macht, wie penibel über diesen Anspruch gewacht wurde.

Gleiches galt in der Anwaltskanzlei, in der ich gearbeitet habe und die seinerzeit zu den Top 10 Arbeitsrechtskanzleien in Deutschland gehörte.

Ist „unperfekt“ der neue Standard? Woher kommt der Ruf nach „Unperfektion“?

Mein Eindruck ist, dass der Ruf nach „Unperfektion“ ständig zunimmt. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht über so etwas stolpere. „Lieber schnell als perfekt.“ – „Gut ist gut genug.“ – „Es muss nicht perfekt sein.“ – so und ähnlich tönt es aus vielen Mündern.

Woher kommt das? Warum nimmt das immer mehr zu?

Die Hintergründe zu kennen, kann dabei helfen, diese neuen Rufe besser einzuschätzen. Ich sehe drei Entwicklungstrends, die hier zusammen kommen:

Ursache Nr. 1: Überforderung generell und speziell als Solo-Unternehmer, sowie Angst vor Ablehnung

Das Leben wird immer komplexer, und für Solo-Unternehmer in einem noch größeren Maße. „Unperfekt“ scheint ein Weg zu sein, um überhaupt irgendwie durchzukommen. Und das kann ich verstehen. Doch es gibt andere Wege, wie ich gleich zeigen werde.

Hinzu kommt noch die Angst vor Ablehnung. Diese führt oft dazu, dass man nicht an den Markt geht, sondern lieber noch weiter an seinem Blogartikel oder seinen Angeboten feilt. Und das kann ich ebenfalls verstehen. Denn Ablehnung wird vom Gehirn in derselben Region verarbeitet wie physischer Schmerz. Kein Wunder, dass Ablehnung weh tut und kein Wunder, dass man sie vermeiden möchte. Doch auch hier ist „unperfekt“ weder der einzige noch der beste Weg.

Ursache Nr. 2: Trend zu mehr Authentizität, verstanden als Offenlegen von Fehlern und Schwächen

Seit Jahren gibt es einen Trend, wenn nicht sogar eine Mega-Trend zu Authentizität. Nicht mehr nur das Makellose wird als schön und gut angesehen. Nicht mehr nur der schöne Schein zählt. Sondern ein Mode-Model darf Sommersprossen haben. Kleidung und Möbel dürfen gebraucht aussehen und gewinnen dadurch erst ihren Chic. Gefühle sind nicht mehr tabu, auch nicht im Wirtschaftsleben.

Doch Authentizität muss nicht zwangsläufig heißen, Fehler und Schwächen zu zeigen. Es kann auch bedeuten, sein Licht zu zeigen, statt es unter den Scheffel zu stellen.

Ursache Nr. 3: Die Lean-Startup-Bewegung

Ein dritter Trend kommt aus der Lean-Startup-Bewegung. Das ist eine Bewegung, die speziell Software-Startups betrifft und das Ziel hat, möglichst schnell an den Markt zu gehen und aus der Marktresonanz zu lernen. Doch das bedeutet nicht, einfach etwas Unperfektes auf den Markt zu werfen. Sondern oftmals sind damit Tests verbunden, die mit geradezu wissenschaftlicher Akribie durchgeführt werden.

Risiken von Unperfektion, speziell für Solo-Unternehmer

Es zeigt sich also, dass es sehr machtvolle Entwicklungen gibt, die erklären können, warum „unperfekt“ mehr und mehr „in“ ist. Sich diese Entwicklungstrends bewusst zu machen, ist wichtig, um den Ruf nach „unperfekt“ besser einordnen zu können.

Doch ich will auch die Risiken aufzeigen. Und die sind nicht unerheblich, wie ich durchaus aus eigener Erfahrung weiß. Danach komme ich dann zu konkreten Möglichkeiten, wie Sie weiter vorgehen können. Die Risiken von Unperfektion für Sie als Solo-Unternehmer  sind mehrfacher Art:

Risiko Nr. 1:  Innerer Wertekonflikt

Sie riskieren, im Wertekonflikt mit sich selbst zu sein. Ich glaube, dass es ein natürliches Streben gibt, Gutes zu leisten. Ich meine das jetzt nicht im moralischen Sinne, sondern bezogen auf Qualitätsstandards. Diese Annahme liegt auch meinem Freedom Business Konzept zugrunde. In Episode 2 bin ich näher darauf eingegangen. „Unperfekt“ zu handeln, kann dazu führen, ständig mit den eigenen inneren Maßstäben im Konflikt zu sein.

Risiko Nr. 2: Ausweitungen auf andere Bereiche und was die Theorie der zerbrochenen Fenster damit zu tun hat

Hinzu kommt, dass sich das „Unperfekte“ nach und nach auf andere Bereiche ausweiten kann.  Interessant in dem Zusammenhang ist die Theorie der zerbrochenen Fenster („broken window theory“). Sie besagt, dass da, wo etwas nicht in Ordnung ist, sich mehr davon ansammelt.  Und umgekehrt.

In New York hat diese Theorie vor Jahren zu spektakulären Ergebnissen bei der Bekämpfung von Kriminalität geführt. Die Polizei ging nämlich schon bei kleinsten Delikten dagegen vor und ließ so gar keine „zerbrochenen Fenster“ aufkommen.

Risiko Nr. 3: Negative Auswirkungen auf Ihre Positionierung

Ein weiteres Risiko betrifft die Auswirkungen nach außen. Wenn Sie „unperfekt“ zum Maßstab erheben, besteht das Risiko, als Mittelmaß angesehen zu werden. Als austauschbar. Als einer oder eine unter vielen.

Mit Premium-Positionierung und Premium-Produkten ist das nicht kompatibel. Natürlich ist es jedem freigestellt, ob er Premium-Positionierung anstrebt. Ich halte es für den besseren Weg als die Austauschbarkeit.

Wie kann es anders gehen?

Kommen wir nun zu der spannenden Frage, wie es anders gehen kann. Wie Sie Ihre hohen Maßstäbe wahren können, ohne sich zu überfordern. Wie Sie sich mit dem, was Sie bisher als Perfektionismus im Sinne von Schwäche gesehen haben, wohl fühlen und positiv weiter entwickeln können.

Blog_Perfektionismus_Tipp1

Die erste Empfehlung ist:  Wählen Sie einen adäquaten Maßstab. Für das erwähnte Beispiel der Schokoladenriegel gilt ein absoluter Maßstab. Der ist in dem Fall auch sinnvoll.

Für Sie als  Solo-Unternehmer ist ein absoluter Maßstab weder sinnvoll noch möglich. Auch der Vergleich mit anderen taugt als Maßstab allenfalls bedingt.

Betrachten Sie stattdessen die jeweilige Situation als Ganze und geben Sie Ihr Bestes, so wie es in dieser Situation möglich ist.

Es gibt viele Rahmenbedingungen, die eine Rolle spielen: Ihr eigener Entwicklungsstand, Rahmenbedingungen, die vom Kunden kommen wie Budgetvorgaben oder zeitliche Vorgaben, außergeschäftliche Einflüsse wie kranke Eltern oder Kinder und vieles mehr.  Alles das beeinflusst die Qualität Ihrer Leistung.

Wenn Sie sich bewusst machen, unter welchen Rahmenbedingungen Sie agieren, dann hilft das im Rückblick wie auch bei der Planung.

  1. Im Rückblick hilft es, nicht unnötig streng mit sich ins Gericht zu gehen, wenn Ihre Leistung nicht absolut perfekt war. Sondern Sie können sie dann in Relation setzen zu den jeweiligen Rahmenbedingungen. Wenn Sie Ihr Bestes unter den jeweiligen Umständen gegeben haben, dann ist es gut. Dann können Sie stolz sein auf sich. Und wenn nicht? Nun, dann können Sie es beim nächsten Mal besser machen.
  2. Im Vorfeld hilft das, sich von vornherein bewusst zu machen, was Sie unter diesen Rahmenbedingungen leisten können und was nicht.  Es kann auch dazu führen, dass Sie besonders kreativ werden. Viele kreative Leistungen sind entstanden aus Limitationen heraus. Oder es hilft, mit dem Kunden neue Rahmenbedingungen oder neue Konditionen zu verhandeln.

Den adäquaten Maßstab zu wählen, ist etwas anderes als den Maßstab zu senken und das Unperfekte zum neuen Perfekten machen.

Das Wichtigste, was ich aus meinen eigenen Erfahrungen gelernt habe: Wenn ich für mich selbst sagen kann, dass ich unter den gegebenen Umständen, wie immer diese beschaffen waren, mein Bestes gegeben habe, dann gibt mir das inneren Frieden. Mein Bestes  zu geben, das ist etwas, das ich selbst in der Hand habe. Vieles andere kann ich nicht oder nur teilweise beeinflussen.

Blog_Perfektionismus_Tipp2

Gehen Sie schrittweise vor und bewerten jeden Prozess-Schritt anhand dessen eigenen  Maßstäben.

Oft erlebe ich, dass Solo-Unternehmer frühe Stadien von etwas am Maßstab des fertigen Produktes messen und dann unzufrieden mit sich sind. Ein Text beispielsweise, ob ein Blogartikel oder ein Text für die Website oder ein Buch, durchläuft in der Regel mehrere Stadien. Für den ersten Entwurf gelten andere Kriterien als für den fertigen Text.

Schon sich das bewusst zu machen und ganz bewusst Ihre Prozesse in kleine Schritte zu unterteilen, kann viel Stress herausnehmen. Sie müssen dann keineswegs mit dem Etikett „unperfekt“ herumlaufen. Sondern ein Entwurf kann ein perfekter Entwurf sein, auch wenn er unter dem Aspekt des fertigen Textes wie eine Katastrophe wirken kann.

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Systeme für wiederkehrende Aufgaben haben mehrere Vorteile. Zum einen erleichtern sie gute Ergebnisse. Das gilt für ein System, wie es einem Premium-Produkt zugrunde liegt. Das gilt auch für interne Systeme, die Sie nutzen, zum Beispiel ein System für das Publizieren Ihrer Blogartikel.

Systeme haben darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: Sie bedeuten psychische Entlastung. Sie müssen nicht alles persönlich nehmen. Ob etwas gelingt oder nicht gelingt, hat nicht unbedingt mit Ihrer Person, Ihren Fähigkeiten, Ihrer Eignung für die Selbstständigkeit zu tun. Sondern es hat damit zu tun, sinnvolle Systeme zu schaffen. Wenn etwas nicht gelingt, ändern Sie das System. Sie brauchen sich dann nicht selbst in Frage zu stellen. Sie sind weiterhin ok. Lediglich Ihr System lässt sich optimieren.

Zusammenfassung

  • Das Streben nach Perfektion ist nicht per se etwas Schlechtes. Ich möchte Sie sogar ermutigen, sich selbst die Latte hoch genug zu legen.
  • „Unperfekt“ zu handeln, kann in bestimmten Situationen wie ein Befreiungsschlag wirken und ist vielleicht ein wichtiges Zwischenstadium. Auf Dauer können allerdings gravierende Nebenwirkungen auftreten. Stichwort: Die Theorie der zerbrochenen Fenster. Wenn Sie in einem Bereich Ihre Maßstäbe senken, weitet sich das schnell unbemerkt auf immer mehr Bereiche aus und irgendwann schauen Sie in den Spiegel und möchten mit der Person, die Sie dort sehen, nicht mehr gern etwas zu tun haben.
  • Hinzu kommt, dass Sie sich damit Ihre Situation am Markt unnötig erschweren. Wenn Sie sich positionieren als jemand, der es nicht so genau nimmt, ist es schwer, damit Kunden anzuziehen, die Wert liegen auf hohe Qualität. Sie geraten in Gefahr, austauschbar und als Mittelmaß  zu erscheinen. Das Streben nach Premium-Positionierung halte ich für eine aussichtsreichere Strategie.
  • Meine Annahme  aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen ist, dass Menschen danach streben, ihr Potenzial zu entfalten und gute Leistungen zu erbringen. Tun Sie das auch weiterhin. Sie brauchen nicht Ihre Maßstäbe zu senken. Was stattdessen nützlicher ist:
    • Wählen Sie einen adäquaten Maßstab: abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen, statt sich an absoluten Maßstäben oder Vergleichen mit anderen zu orientieren.
    • Unterteilen Sie Ihre Prozesse in kleine Schritte und bewerten jeden Schritt nach dessen eigenen Maßstäben. Für einen Textentwurf gelten andere Kriterien als für einen fertigen Text.
    • Schaffen Sie sich Systeme, um so gleichbleibend hohe Qualität zu produzieren.

Bei Premium-Produkten, so wie ich sie in Episode 4 dargestellt habe, haben Sie den Prozess vorab durchdacht  und systematisiert. Damit besteht eine hohe Chance auf gute Ergebnisse. Gleichzeitig fordern Sie sie heraus, Ihr Bestes zu geben. Und indem Sie das tun, sind Sie im Einklang mit Ihren Werten.

Das ist generell meine Empfehlung: Geben Sie Ihr Bestes unter den gegebenen Bedingungen und Sie können im Frieden sein mit sich selbst.

Mit diesem Beitrag nehme ich teil an der „sei-unPerfekt“-Blogparade von Jutta Held. 

Wird es zum neuen Standard, unperfekt zu handeln? Klick um zu Tweeten Perfektionismus ist nicht so schlecht wie sein Ruf Klick um zu Tweeten Drei Wege, gut mit seinem Perfektionismus auszukommen Klick um zu Tweeten

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Bildnachweise:

 

 

Danke fürs Teilen:-)
Monika Birkner
 

Ich unterstütze Solo-Unternehmer, ihre Einzigartigkeit wertzuschätzen und damit ein erfolgreiches, verkaufsfähiges Business zu kreieren. Wenn Sie eine ganzheitlich-systematische Arbeitsweise lieben - ob im Rahmen von Coaching-Programmen oder 1:1-Zusammenarbeit - und bereit sind für echte Durchbrüche im Denken, Handeln und in den Ergebnissen, ist eine Discovery Session mit mir ein guter nächster Schritt. Mehr dazu auf meiner Seite "Angebote".

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Asja Schrödl - 26. Mai 2016

Hallo Herr Tabak,

ich weiß aus eigener Erfahrung, dass der Glaube an den eigenen Erfolg DIE Voraussetzung für Gelingen ist.

„Ob Du nun glaubst, daß Du etwas tun kannst,
oder ob Du glaubst, daß Du es nicht tun kannst,
Du wirst immer recht behalten. “

Ein Berater kann einen Klienten immer nur zu einem Ziel/Ergebnis begleiten, was dieser (unbewusst) als Ergebnis erlaubt.
So wie man keinen Hund zur Jagd tragen kann.
Als Berater sollte man aber auch erkennen, wann jemand sich im Weg steht und Gefahr läuft, an den sich selbst zu eng gesteckten Grenzen zu scheitern.
Ohne EIGENES Wollen, Vertrauen und Glaube wird sich ein Klient nicht über die scheinbaren Grenzen des Möglichen bewegen.
Am Anfang meiner Beratungstätigkeit hatte ich erst spät erkannt, dass ich eine „Alibi-Funktion“ hatte – nach Außen wurde „alles“ getan, man hatte ja sogar einen Berater engagiert…, im Innen sollte sich gar nichts verändern und so ging die Beweisführung auf, dass nun mal alles so ist, wie es ist und auch mit größter Anstrengung (Berater), keine Veränderung möglich ist.
Und das Vertriebsergebnis schreibe ich mir nicht auf mein Misserfolgskonto.
Heute erkenne ich vorher, ob jemand ein Alibi sucht und gehe nur mit denen weiter, die wirklich für Veränderung bereit sind.
Und dann braucht es mehr, als schöne Worte.
Von daher ist schon richtig, was die von Ihnen kritisierten Weisheiten vermitteln, es kommt nur darauf an, ob sie als Phrase gedroschen werden, oder ob derjenige, der sie von sich gibt, aus Erfahrung spricht, die er weitergeben kann und dafür echten Support bietet.

Und zum Guru wird man nur durch andere. Ohne die Follower im Außen bekommt keiner Guru-Status. Es sind die Follower, die den anderen anhimmeln und auf diesen Thron setzen.

Reply
Jutta Held - 25. Mai 2016

Liebe Frau Birkner,

vielen Dank, dass Sie mit Ihrem Beitrag meine Blogparade, um den Aspekt bereichern, Perfektionismus auf eine andere und vielschichtige Art zu betrachten.

In dem Beitrag ist Ihre Erfahrung, sowie Ruhe und Gelassenheit spürbar mit dem Thema umzugehen. Ihre Tipps zeigen, wie man dosiert vorgehen kann ohne sich zu überfordern.

Ich glaube, es gibt Phasen, da ist Unperfekt sein, wie Sie in Ihrer Zusammenfassung schreiben, der Befreiungsschlag, den man braucht, um aufzuatmen und den Blick dafür frei zu haben, welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um aus seinen Fähigkeiten und Talenten das Bestmögliche zu gestalten, zum Wohle der Kunden und somit ebenso für sich selbst.

Die Kunst ist es zu bemerken, wann die eigenen bewertenden Gedanken einen davon abhalten, sich mit dem bereits „perfekten“ zu zeigen.
Für diese Reflexion ist Ihr Artikel eine wertvolle Grundlage, um den Maßstab zu justieren und sich der Qualität des Angebotes bewusst zu werden.

Herzliche Grüße
Jutta Held

Reply
    Monika Birkner - 25. Mai 2016

    Liebe Frau Held,

    danke schön für Ihr Feedback. Es gibt sicher Situationen, wo ein „Befreiungsschlag“ genau das ist, was jemanden weiter bringt. Denn er führt ja aus dem Gedankenkreisen heraus und zu Feedback und Erkenntnissen irgendwelcher Art. Das kann dann für alle weiteren Schritte und Reflexionen eine wichtige Erfahrung werden.

    Reply
Asja Schrödl - 24. Mai 2016

Nachtrag:
Bei mir zeigt sich gerade am konkreten Beispiel die Thematik.
Ich habe neulich beim Spaziergang ein Sprach-Memo für einen Audio-Beitrag aufgenommen.
Aus perfektionistischer Sicht sehe ich es als Grundlage, um das Ganze inhaltlich auszufeilen und später technisch sauber nochmal zu sprechen.
Gleichzeitig klinge ich in der Aufnahme so lebensecht, greifbar und sympathisch, dass ich mir nicht sicher bin, ob es nach der Optimierung zu „glatt“ wäre…

Reply
    Monika Birkner - 25. Mai 2016

    Liebe Asja,

    ein schönes Beispiel dafür, was ich meine, keine absoluten Ansprüche zu haben, sondern situativ-ganzheitlich an das Ganze heranzugehen. In bestimmten Situationen mag es sinnvoll sein, wenn die Aufnahme klangtechnisch perfekt ist. In anderen Situationen mag gerade das Lebensechte viel sinnvoller sein.

    Reply
Asja Schrödl - 21. Mai 2016

Hallo liebe Monika,

als ich in meinem Perfektionszwang die Unperfektion entdeckte, löste sich für mich ganz viel.
Ich empfand es als sehr befreiend. Wie gesagt, vorher war da Zwang.

Ich mag am Trend des „Unperfekten“, dass es in den Fokus rücken darf.
Allerdings: Wer Perfektion vom Thron stürzt und Unperfektion draufstellt, wird nicht freier, sondern läuft nur einer anderen Karotte hinterher.

Frei macht nur die Akzeptanz beider Ausprägungen in ihrer scheinbaren Widersprüchlichkeit.
Beides ist meiner Ansicht nach Ausdruck des Strebens nach Vollkommenheit und gleichzeitig das Erkennen, dass stets alles vollkommen ist. Und dann kann ich frei wählen, ob ich gerade mit Mut zur Lücke sein/gehen möchte, oder eben nicht.

Von daher finde ich es gut, dass Du Perfektion „verteidigst“, wenn der Trend gerade woanders hingeht.
Die Kunst ist, beides gleichrangig nebeneinander stehen lassen zu können.
Sonst gerät man ins Schwanken zwischen den Polen und dies schwächt Handlungsfähigkeit und Führung. Es braucht die Balance zwischen beiden, um das (Unternehmens-) Schiff zu steuern. So ist meine Erfahrung.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,

Asja

Reply
    Monika Birkner - 21. Mai 2016

    Liebe Asja, danke schön für deinen Kommentar. Den Satz „Wer Perfektion vom Thron stürzt und Unperfektion draufstellt, wird nicht freier, sondern läuft nur einer anderen Karotte hinterher.“ finde ich super. Die Freiheit ist mir, wie schon der Name Freedom Business andeutet, ziemlich wichtig.

    Ich rede ja auch dem Zwang keineswegs das Wort und nicht der Perfektion um jeden Preis. Gerade meine erste Empfehlung läuft darauf hinaus, situativ die einzelnen Faktoren in den Blick zu nehmen, die alle einen Einfluss haben, und dann das zu tun, was in dieser Situation möglich ist. Das mag nach außen etwas sehr Unperfektes sein. Wenn ich aber dennoch weiß, dass ich mein Bestes unter den jeweiligen Umständen gegeben habe, kann es dennoch perfekt sein. Ansonsten kann es leicht dahin kommen, zwischen den Polen zu pendeln, was ich nicht als Balance betrachten würde.

    Reply
W. Tabak - 21. Mai 2016

100 Punkte. Ich sehe noch einen weiteren Grund: jeder/jedem wird doch heute weisgemacht, sie sei garantiert auch eine Expertin in „Egalwas“. Und wenn Frau schon Expertin ist, dann kann sie ja auch gleich Coach sein und mit ein paar PowerPoints ist dann auch flott ein Selbstlernkurs gebastelt – passives Einkommen neben dem Job oder dem Haushalt. Man /Frau muss nur noch diesen „how-to-Kurs“ kaufen und dann fließen die Millionen. Andere Leuten lernen jahrelang, aber die sind auch nicht so clever ;-D
Wie wäre es mit einer Qualitätsinitiative statt „quick and Dirty“?

Reply
    Monika Birkner - 21. Mai 2016

    Lieber Herr Tabak, danke schön für Ihre 100 Punkte. Mit dem Gedanken einer Qualitätsinitiative kann ich mich sehr gut anfreunden:-). Ich würde allerdings es nicht allein an der formalen Qualifikation festmachen. In allen Bereichen können auch Quereinsteiger sehr qualifizierte Arbeit leisten. Für mich hat es mehr mit der inneren Haltung zu tun.

    Reply
      W. Tabak - 21. Mai 2016

      Sorry, aber innere Haltung ist mir viiiiel zu wenig, man sollte schon sehr genau wissen, was man da tut, wenn man mit anderen Menschen arbeitet. Die innere Haltung meiner Frau ist über jeden Zweifel erhaben! Trotzdem würde ich – wenn ich bei Ihrem Arzt-Beispiel von oben bleiben darf – jederzeit einen professionellen Operateur vorziehen, um mich bei einer Blinddarm-Op zu behandeln. Seine innere Haltung wäre mir völlig egal solange seine professionelle Haltung stimmt.
      Ich befürchte, dass wir sonst noch viel mehr selbsternannte Gurus und Möchtegernheiler bekommen, die keine Ahnung haben, was sie anrichten. Frei nach Goethe: Ich bin ein Teil jener Kraft, die stets das Gute will doch nur das Böse schafft.
      Für Premium-Produkte braucht es mehr als guten Willen!

      Reply
      Monika Birkner - 22. Mai 2016

      Lieber Herr Tabak, danke, dass Sie nachfassen. Ja, man muss wissen, was man tut. Das steht völlig außer Frage. Und dafür qualifiziert sein und sich auch ständig weiter qualifizieren. Denn nirgendwo bleibt die Entwicklung stehen. Wenn ich die innere Haltung ansprach, dann kann diese natürlich kein Ersatz sein für Qualifikation. Wenn sie allerdings fehlt, ist es auch problematisch.

      Reply
      Asja Schrödl - 24. Mai 2016

      Hallo Herr Tabak, Sie beschreiben aus der Sicht der Gesundheitsbranche zwei Gegenpole (der Mediziner und der Heiler).
      Ich fände es schön, wenn sich in jeder Branche die gegensätzlichen Pole annähern, wie z.B. Mediziner mit Heilfähigkeiten und Heiler mit medizinischen Fähigkeiten bzw. dass die Menschen unterscheiden kann, wann es angesagt ist, einen Heiler zu konsultieren und wann es angesagt ist, einen Mediziner zu konsultieren, weil beide ihre Daseins-Berechtigung haben.
      Dieser ewige Streit zwischen Gut und Böse, wobei beides nicht existent ist, ist so alt wie die Menschheit. Mal sehen, wann wir da alle rauswachsen.

      Reply
      Wolfgang Tabak - 24. Mai 2016

      Hallo Frau Schrödl,
      leider tummeln sich in der sogenannten „Heiler-Scene“ eine ungeheure Menge Scharlatane. Mit einer wahnsinnigen Hybris verkünden Sie Weisheiten: „Du mußt es nur wollen…“
      Wenn es dann nicht klappt, liegt es natürlich am Klienten, er hat halt nicht feste genug gewollt / dran geglaubt / oder nicht richtig losgelassen hat oder oder …
      Wenn es klappt, war es natürlich der Heiler. Zum Glück kenne ich auch – zugegeben wenige -, die wissen, wann für Ihre „Kunst“ Grenzen gesetzt sind. Wir hatten leider im engsten Familienkreis jmd., der erst dann zum Mediziner ging als die ganzen „Engel-“ und „blablabla-Heiler“ nicht mehr helfen konnten. Da war es dann leider zu spät.
      Daher stammt eine Menge „Erfahrung“ und – leider auch – Verbitterung.
      Mein Hinweis bezog sich allerdings eher auf die selbsternannten Gurus. Um es ganz platt auszudrücken: „Ich habe nach der Scheidung einen neuen Partner gefunden also bin ich ab heute Coach für alle Geschiedenen. Qualifikation? Ich habe einen neuen Partner, das reicht.“
      Wirklich?
      Daß es auf dieser Welt mehr gibt als unsere Schulweisheit sich träumen läßt, ist allerdings auch mein fester Glaube!

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