Monika Birkner Podcast 19

Perfektionismus, Decision Fatigue und Choice Overload – ein brisanter Cocktail für Ihr Business [Podcast 19]

Geht es Ihnen zu langsam voran? Erschöpfen Sie sich in Kleinigkeiten und kommen nicht genug zu dem wirklich Wichtigen in Ihrem Business und Ihrem Leben? Dann kann es sein, dass Sie zu viel von dem brisanten Gift-Cocktail zu sich nehmen, den ich im heutigen Beitrag mit Podcast erläutere.

Normalerweise nutze ich nicht so starke Worte. Doch heute ist es angebracht. Denn der Cocktail, um den es hier geht, ist eine echte Bedrohung für Ihr Business. Und auch für Sie persönlich. Ich will es erklären.

Ihr Erfolg als Solopreneur bzw. KMU ist die Summe Ihrer Entscheidungen. Doch

  • Sie müssen immer mehr Entscheidungen treffen (angeblich 35.000 Entscheidungen am Tag).
  • Die Wahlmöglichkeiten sind ins Unendliche gewachsen.
  • Wenn Sie dann noch – wie ich – perfektionistisch veranlagt sind, machen Sie sich Ihre Entscheidungen extra schwer.

Wo ist das Problem darin?

Es sind drei Probleme. Jedes für sich kann Ihr Business empfindlich treffen oder sogar in einzelnen Situationen lahmlegen. In der Summe ergeben sie einen richtiggehenden Gift-Cocktail.

Und nicht nur Ihr Business wird dadurch gefährdet. Sondern auch Sie persönlich. Denn dieser Cocktail befördert Ihr Ausbrennen.

Hören Sie die Einzelheiten dazu in der heutigen Podcast-Episode oder lesen Sie die ausführlichen Erläuterungen – oder beides:-). Am Ende des Beitrages finden Sie noch ein Angebot für ein Starter-Paket, wenn Sie jetzt sofort aktiv werden wollen.

Problem #1: Zu viele Entscheidungen und Decision Fatigue (Min. 2:31)

Unser Gehirn hat begrenzte Energie für Entscheidungen. Wenn wir sehr viele Entscheidungen hintereinander treffen, setzt so genannte Decision Fatigue ein. Decision Fatigue bedeutet Entscheidungsmüdigkeit.

  • Es wird schwerer, überhaupt Entscheidungen zu treffen.
  • Die Qualität der Entscheidungen nimmt ab.
  • Sie treffen vielleicht gar keine bewussten Entscheidungen mehr. Sondern stellen plötzlich fest, dass Sie über eine Stunde bei Facebook herumgesurft haben, obwohl Sie eigentlich etwas ganz anderes vorhatten.

Problem #2: Zu viele Wahlmöglichkeiten und Choice Overload (Min. 3:22)

Das Problem der Decision Fatigue wird noch verschärft durch die fast unendlichen Wahlmöglichkeiten, die zur Verfügung stehen. Choice Overload oder Overchoice heißt dieses Phänomen.

Wenn sie zu viele Wahlmöglichkeiten haben, schalten viele ab. Treffen gar keine Entscheidung. Sitzen wie das Kaninchen vor der Schlange.

Schon mal morgens am Schreibtisch gesessen und nicht gewusst, wo Sie anfangen sollen? Oder Schwierigkeiten gehabt, die richtige Marketingstrategie für sich zu entscheiden? Oder unter den Google Fonts eine Schriftart für Ihre Website auszuwählen?

Es geht nicht nur um Einzelfälle. Sondern Choice Overload begegnen wir in immer mehr Entscheidungssituationen beruflicher wie privater Art.

Problem #3: Ungünstiges Entscheidungsverhalten durch Perfektionismus (Min. 4:56)

Eigentlich bin ich bekennender Perfektionist. Ich habe hohe Ansprüche und möchte diese eigentlich auch nicht aufgeben.

Was mich aber sehr nachdenklich gemacht, war ein Artikel zum Choice Overload, wo zwei Typen von Entscheidungsfällern genannt wurden:

  • Maximizer: Sie streben die bestmögliche Entscheidung an. Sie überlegen und prüfen alles Mögliche – und sind hinterher oft unzufrieden, weil sie zweifeln, ob sie die beste Wahl getroffen haben.
  • Satisficer: Ihnen geht es darum, voran zu kommen und Momentum zu erzeugen. Sobald das möglich ist, hinterfragen sie ihre Entscheidung nicht weiter.

Vielleicht haben Sie Glück und gehören zu den Satisficern.

Wenn Sie allerdings – wie ich – eher zur Kategorie der Maximizer neigen, dann kann es kritisch werden. Denn wie oben schon erwähnt:

  • wir haben sehr viele Entscheidungen zu treffen und sind dabei zunehmender Decision Fatigue ausgesetzt
  • die Entscheidungen werden schwieriger, weil immer mehr Optionen zur Verfügung stehen (Choice Overload)
  • als Perfektionisten/Maximizer machen wir uns die Entscheidungen noch einmal extra schwer.

Hmmm….

Was tun? (Min. 10:24)

Ich muss sagen, dass es mich sehr nachdenklich gemacht hat, als mir diese Zusammenhänge klar wurden.

Denn dadurch wird erklärlich, warum wir oft den Eindruck haben, dass es zu langsam vorangeht und streckenweise mühevoll ist. Wenn wir nicht aufpassen und aktiv gegensteuern, verlangsamen wir in der Tat. Wir erschöpfen uns in den Kleinigkeiten des Alltags und habe nicht mehr genug Energie für das wirklich Wichtige.

Das tut auf Dauer weder unserem Business gut noch uns selbst.

Und wir können es nicht einfach ignorieren. Denn die Zahl der Entscheidungen und Wahlmöglichkeiten nimmt von Tag zu Tag zu. Und Perfektionismus macht es nicht einfacher, damit umzugehen.

Wie kann die Lösung ansehen?

Für mich sieht sie wie folgt aus. Und vielleicht ist es für Sie auch hilfreich:

  • Step #1: Den Rahmen festlegen / das große Bild bewusst machen
  • Step #2: Den Weg vorstrukturieren
  • Step #3: Den Perfektionismus zähmen
  • Step #4: Raum schaffen für Intuition

Auf dem Weg zu einer neuen Entscheidungsökonomie

In der Summe denke ich, dass diese Steps zu einer neuen Entscheidungsökonomie führen.

Mit Entscheidungsökonomie meine ich zum einen, dass wir unsere Energie, die wir für Entscheidungsprozesse brauchen, ökonomisch einsetzen.

Darüber hinaus bin ich fest überzeugt, dass dadurch bessere ökonomische Ergebnisse für das Business entstehen, da die Qualität der Entscheidungen sich verbessert.

Und zusätzlich merke ich zumindest für mich eine Verbesserung des persönlichen Wohlbefindens. Denn mit dieser neuen Entscheidungsökonomie bin mehr aktiver Gestalter, statt von äußeren Einflüssen manipuliert zu werden.

Step #1: Den Rahmen festlegen / das große Bild bewusst machen (Min. 11:04)

Alle Entscheidungen werden einfacher, wenn man klare Entscheidungskriterien hat. Für mich ergeben sich die Kriterien aus dem großen Bild: aus den Visionen und Zielen geschäftlicher und persönlicher Art und den Strategien, die dorthin führen.

Auch alle Grundsatzentscheidungen, die die Positionierung betreffen, gehören dazu.

Diese Rahmen- und Grundsatzentscheidungen sind im Licht der obigen Phänomene noch bedeutsamer als je zuvor. Daher ist es auch wichtig, diese Entscheidungen aus einem guten Zustand heraus zu treffen, so dass Sie Ihre vollen mentalen und emotionalen Ressourcen zur Verfügung haben. Ein guter Coach oder Berater kann dabei wertvolle Unterstützung leisten.

Step #2: Den Weg vorstrukturieren (Min. 11:51)

Wenn der Rahmen und das große Bild klar sind, ist es als Nächstes hilfreich, den Weg vorzustrukturieren. Denn es bedeutet, dass wir nicht mehr bei jedem einzelnen kleinen Schritt eine Entscheidung treffen und uns den zahlreichen Wahlmöglichkeiten aussetzen müssen. Sondern wir tun das vorab und aus einem guten Zustand heraus.

Wir treffen vorab Grundsatzentscheidungen, so dass die Entscheidungen im Einzelfall dann gar nicht mehr nötig sind, weil schon vorentschieden, oder zumindest leichter fallen.

Den Weg vorzustrukturieren, bedeutet in dem Zusammenhang u. a.

  • eine Roadmap zu haben in Bezug auf wichtige Meilensteine in der Business-Entwicklung
  • die Prozesse und Workflows zu organisieren und zu dokumentieren. Seit kurzem nutze ich dazu ProcessKit. Das ist ein noch recht neues Tool, das beständig weiter entwickelt wird und sich speziell für kleine Teams und auch Solopreneure eignet.
  • die Zeit vorzustrukturieren, zum Beispiel mit einem Wochen-Masterplan oder einem Tages-Masterplan
  • Regeln zu nutzen für bestimmte Entscheidungen, zum Beispiel die Aufnahme neuer Kontakte in das eigene Netzwerk.
  • Rhythmen zu nutzen oder einzuführen, zum Beispiel wann und wie oft der Newsletter erscheint
  • Rituale und regelmäßige Gewohnheiten zu praktizieren, zum Beispiel für den Beginn oder das Ende des Arbeitstages

Alle diese Maßnahmen sind für sich allein und erst recht in der Summe sehr hilfreich, um die Entscheidungsenergie möglichst für die wichtigen Entscheidungen zu nutzen und nicht für triviale Alltagsentscheidungen.

Step #3: Den Perfektionismus zähmen (Min. 17:40)

Wie oben schon erwähnt, habe ich mich ein Stück weit im Maximizer wieder erkannt, und das hat mich nachdenklich gemacht.

Was sind die Konsequenzen daraus?

Mein derzeitiger Stand ist wie folgt:

  • Bewusster mit Entscheidungssituationen umgehen: Worum geht es? Welches Gewicht hat diese Entscheidung? Mehr Bewusstheit und Selbstreflexion finde ich prinzipiell nützlich.
  • Mit „Momentum“ als Wert experimentieren: Mir war schon seit längerem aufgefallen, dass sehr erfolgreiche Menschen „Momentum“ als hohen Wert schätzen. Momentum ist gut fürs Vorankommen. Denn nach den Gesetzen der Physik braucht man weniger Energie, um ein in Bewegung befindliches Fahrzeug fortzubewegen, als für den Start. Für Entscheidungen bedeutet das: Was brauche ich, um vorwärts zu gehen?
  • Experimentieren statt Grübeln: Zu oft sehe ich – und kenne ich durchaus auch von mir selbst -, dass wir hin und her grübeln. Doch wie ich gern sage (auch mir selbst:-)): „Klarheit entsteht nicht durch Grübeln.“ Gezielte Experimente führen oft viel weiter. Wir haben heute die technischen Tools zur Verfügung, um alle möglichen Elemente einer Website oder Landing-Page zu testen. Wir können Produkt- und sonstige Ideen testen, indem wir einfach mal einen Stein ins Wasser werfen. Beta-Tests und Pilotprogramme geben umfassendere Erkenntnisse als eigenes Grübeln sie je bringen könnte. Ich nutze verschiedene Tools von ThriveThemes, um zum Beispiel Headlines oder Landing-Pages zu testen.

Step #4: Raum schaffen für Intuition (Min. 21:23)

Vieles von dem, was ich oben erwähnt habe, klingt sehr systematisch und strukturiert. Das finde ich auch wichtig.

Gleichwohl denke ich, dass unsere Intuition in Zukunft immer wichtiger wird, um im Dickicht der vielfältigen Möglichkeiten zu navigieren.

Raum zu schaffen für die Intuition, ist daher genauso wichtig wie alles Vorstehende. Wege dazu sind:

  • Achtsamkeit und Bewusstheit
  • Leere: im Kopf, auf dem Schreibtisch, in der Umgebung
  • Verbindung zum Inneren.

Zusammenfassung und weitere Ressourcen

Das sind meine Überlegungen, um diesen Cocktail aus Decision Fatigue, Choice Overload und Perfektionismus zu entschärfen:

  • Entscheidungen aus einem guten Zustand heraus und im Vorfeld vorzubereiten und mit einem Blick „von oben“ auf mein Business
  • dabei die Zahl der möglichen Optionen zu begrenzen. Wenn ich mich auf eine bestimmte Zielgruppe oder einen Marketingkanal derzeit festgelegt habe, dann brauche ich nicht ständig mit anderen Kanälen oder Zielgruppen zu liebäugeln.
  • mit einem geänderten Mindset an konkrete Entscheidungen heranzugehen: bewusster, experimenteller, mehr auf Momentum ausgerichtet statt auf die bestmögliche Entscheidung.
  • Zusätzlich: Raum schaffen für Intuition.

In einem Artikel von 2015 war ich schon auf verschiedene Möglichkeiten eingegangen, mit Decision Fatigue als isoliertem Phänomen umzugehen.

Auch meine 21-Punkte-Checkliste für Ihr persönliches Energie-Management kann nützlich für Sie sein.

In einer früheren Podcast-Episode habe ich dem Perfektionismus die Stange gehalten. Dazu stehe ich nach wie vor, auch wenn ich oben über neue Maßstäbe beim Entscheidungsverhalten nachdenke.

Starter-Paket

Ich hoffe, dass die Informationen und Tipps in diesem Beitrag / Podcast Ihnen neue Erkenntnisse und Ideen gebracht haben. Wenn Sie noch etwas mehr Anschub-Unterstützung suchen, um Ihr Business zu überprüfen und auf eine gute Bahn zu bringen, empfehle ich Ihnen mein Starter-Paket.

Es besteht aus einem 5-teiligen Videokurs, den Sie innerhalb kurzer Zeit durcharbeiten können, und drei ergänzenden Coaching-Sessions.

  • Damit ist Ihnen Ihr großes Bild klar.
  • Ihre Roadmap ist strukturiert.
  • Und Sie haben die wichtigen Vorabentscheidungen strategischer und praktischer Art getroffen, so dass alles Weitere leichter fällt, Sie mehr und mehr Momentum schaffen und zügiger vorankommen.
Monika Birkner Starter-Paket

Video-Kurs + Workbook + 3 Coaching-Sessions nebst Aufzeichnung – hier klicken für weitere Info

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Bildnachweis:

hahnsinn – Büro für Design & Webentwicklung

Die Kommentare unten beziehen sich auf meinen Beitrag zur Decision Fatigue von 2015 Ursprünglich hatte ich den Beitrag nur updaten und ergänzen wollen. Dann habe ich mich aber entschlossen, ihn bestehen zu lassen und den obigen Beitrag neu zu verfassen. Bei der Umsetzung in WordPress habe ich erst nachträglich gesehen, dass die Kommentare jetzt unter diesem Beitrag stehen.

4 Kommentare zu „Perfektionismus, Decision Fatigue und Choice Overload – ein brisanter Cocktail für Ihr Business [Podcast 19]“

  1. Liebe Frau Scheuermann, danke für Ihren Beitrag aus der Praxis. Ich kann diese Erfahrung bestätigen, schreibe ich ja auch sehr viel. Meine beste Zeit dafür ist der frühe Morgen.

  2. Liebe Frau Birkner,
    vielen Dank wieder einmal für diesen wertvollen Beitrag!
    Ich arbeite als Schreibcoach mit Berufstätigen/(angehenden)SachbuchautorInnen und WissenschaftlerInnen – da sind genau diese Entscheidungen ein Dauerthema:
    Beim Schreiben trifft man ständig kleine und größere Entscheidungen: welches Wort, welcher Satz, welche Botschaft? Wenn dieser Prozess vorher schon mit Entscheidungen über E-Mails überlastet ist, geht eben das Schreiben nicht mehr gut.
    Ich empfehle deshalb ständig das Schreiben am Morgen VOR allen anderen Arbeitstätigkeiten.
    Ich wünsche Ihnen einen guten Start in einen wesentlichen Tag
    Herzliche Grüße, Ulrike Scheuermann

  3. Liebe Frau Dr. Driever-Fehl,

    das freut mich sehr, dass sich der Impuls, den NL zu öffnen, gelohnt hat. Ich bin immer wieder positiv überrascht, welche Potenziale es noch gibt, die eigenen Arbeitsweisen zu verbessern. Auf Ihre Erfahrungen bin ich schon gespannt.

  4. Dieses Mal den Newsletter aus Zeitmangel nicht wegzuklicken hat sich für mich echt gelohnt! Ich bin seit längerem erschöpft und viel unter Zeitdruck, was dazu geführt hat, dass ich unstrukturierter geworden bin. Da ich mich mit Entscheidungen eh oft schwer tue, ist es mit Sicherheit eine sehr gute Idee, die Menge der Entscheidugen zur reduzieren. Noch einmal ein neuer Blick auf „alte Probleme“… Vielen Dank, Frau Birkner!

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