Kennen Sie das? Sie arbeiten an einem neuen Produkt. Oder an einer neuen Website, einem Webinarkonzept, einem Blogpost, einem Buchexposé, einem Podcast, Video…

Eigentlich wollten Sie schon längst fertig sein.

Doch Sie sind es nicht.

Was ist los? Warum geht es nicht weiter? Stimmt etwas nicht mit Ihnen?

Bevor Sie sich in solche Grübeleien vertiefen, lesen Sie diesen kurzen Artikel. Er hilft Ihnen zu entscheiden, wann ihr Produkt „fertig“ ist.

Prokrastination oder Inkubation?

Von außen betrachtet, mag es sehr ähnlich aussehen. Doch innerlich macht es einen großen Unterschied, ob Prokrastination die Ursache für den schleppenden Fortgang ist, oder ob ein Fall von Inkubation vorliegt.

Prokrastination ist ein vornehmerer Begriff für Aufschieberitis.

Inkubation bedeutet „Reifezeit“.

Prokrastination und Inkubation unterscheiden können

Hier sind einige Kriterien zur Unterscheidung von Prokrastination und Inkubation, die für mich gut funktionieren. Vielleicht helfen sie Ihnen auch weiter:

  • Körperwahrnehmungen: Ängste, wie sie häufig mit Prokrastination verbunden sind, äußern sich im Körper durch Engegefühle, Verspannungen, Druck und ähnliches. Inkubation nehme ich hingegen wahr als expansives Körpergefühl, als ein Raum schaffen für das neu Entstehende. Oft geht damit einher eine gewisse Abschottung nach außen, so dass ich mich ganz auf die inneren Wachstumsprozesse konzentrieren kann. „Sich wie in einem Kokon befinden“ drückte es jemand sehr anschaulich aus.
  • Stimmigkeit des derzeitigen Ergebnisses: Ich selbst habe ein sehr feines Gespür dafür, wann etwas für mich stimmig ist oder nicht, wann mein Produkt, Videokurs, Blogartikel „fertig“ ist oder nicht. Vielleicht haben Sie diesen inneren Signalgeber auch. Sonst lohnt es sich, ihn zu kultivieren. Denn je mehr Sie hinter dem stehen, was Sie auf den Markt bringen, desto überzeugender sind Sie damit.
  • Bringen Pausen und Unterbrechungen Sie weiter? Im Falle von Inkubation ist es durchaus nützlich, das Ganze zwischendurch liegen zu lassen. Der innere Prozess geht weiter und die zündende Idee stellt sich oft ganz unerwartet ein, zum Beispiel bei einem Spaziergang oder unter der Dusche. Typisch für Prokrastination ist hingegen, dass Sie auf der Stelle treten, sich im Kreise drehen, nur das Bisherige wiederkäuen, statt dass es sich weiter entwickelt.

Vor der Arbeit oder nach der Arbeit?

Noch ein ganz pragmatisches Kriterium stellt Mark McGuinness auf: Für ihn ist Prokrastionation das, was vor der Arbeit stattfindet, und Inkubation das, was nach der Arbeit stattfindet.

Anders ausgedrückt:

Durch Prokrastionation hindert man sich, den nächsten Schritt zu tun, ob dieser das Anfangen oder das Beenden betrifft.

Inkubation findet statt, wenn man sein Bestes gegeben hat und nicht mehr weiter kommt.

Ihr Produkt muss noch nicht ganz „fertig“ sein

Ich bin ein großer Freund von Beta-Tests und Pilotphasen. Denn dadurch erhalte ich nützliches Feedback und kann überprüfen, wie meine Kunden mit meinem Produkt  zurechtkommen.

Beta-Tests sind eine Win-Win-Win-Situation:

  • Ich selbst profitiere durch die schnellen Rückmeldungen und möglicherweise auch Testimonials.
  • Meine Beta-Test-Kunden erhalten einen günstigeren Preis und erleben die Freude, aktiv an der Gestaltung beteiligt zu sein.
  • Und die späteren Kunden bekommen etwas, das schon erste Praxis-Tests bestanden hat.

Ihr Produkt wird nie „fertig“ sein

Ein weiterer Aspekt ist, dass Ihr Produkt letztlich nie „fertig“ sein wird. Von Zeit zu Zeit wird es die Notwendigkeit geben, es zu überarbeiten.

Das kann der Fall sein, weil Sie selbst das Bedürfnis dazu haben. Oder weil es Veränderungen im Außen gibt, die dazu nötigen.

Wenn Ihr Produkt Social Media betrifft, werden Sie es sehr häufig ändern müssen. Wenn es mathematische Gesetzmäßigkeiten betrifft, ist die Lebensdauer länger. Doch auch dann ist vielleicht irgendwann das Layout nicht mehr zeitgemäß.

Manchmal reichen – wie in der Softwareindustrie – kleine Korrekturen. Manchmal ist eine grundlegende Überarbeitung angesagt.

Der Traum vom „passiven Einkommen“, den viele Solo-Unternehmer hegen – einmal die Arbeit machen und dann für immer daraus Einnahmen generieren -, ist von daher ein Traum.

Ein gewisser Aufwand für das Produkt selbst, das Marketing und den Support der Kunden, wird immer nötig sein.

Wie Sie Ihr Produkt dennoch zügig an den Markt bringen

Letzten Endes ist es eine sehr individuelle Entscheidung, ob Sie Ihr Produkt, Ihren Blogpost, Ihren Podcast etc. als „fertig“ betrachten oder nicht. Nur Sie wissen es.

Wichtig ist, dass Sie den richtigen Maßstab anlegen.

Hohe Maßstäbe

Meine Coaching-Klienten haben durchweg hohe Qualitätsmaßstäbe. Ich selbst bin auch so gestrickt.

Etwas einfach herauszuhauen nach dem Motto „besser getan als perfekt“ passt für uns nicht.

Wie es möglich ist, die eigenen hohen Maßstäbe zu wahren und dennoch fertig zu werden, erläutere ich im Einzelnen in diesem Podcast. 

…aber angepasst an das Stadium der Produktentwicklung und die Zielgruppe

Der „Trick“ besteht letztlich darin, sich bewusst zu machen, dass es keinen absoluten Maßstab gibt, sondern dass es auf die jeweilige Phase der Produktentwicklung ankommt und auch darauf,  was das Produkt leisten soll und für wen:

  • Für den internen Entwurf eines Blogartikels gelten andere Maßstäbe als für den öffentlichen Text.
  • Wenn Sie sich an Anfänger richten, gelten andere Maßstäbe, als wenn Sie Fortgeschritte ansprechen.
  • Wenn Sie einen Überblick geben wollen, gelten andere Maßstäbe, als wenn Sie etwas im Detail erläutern wollen.

…und Kunden-Feedback für weitere Verbesserung nutzen

Was außerdem hilfreich ist, ist die Überlegung, dass Ihr Produkt durch das Feedback Ihrer Kunden besser wird. Je früher Sie dieses Feedback einholen, desto weniger Zeit verschwenden Sie mit eigenen Grübeleien.

Die oben erwähnte Vorgehensweise, Pilotprojekte, Beta-Tests und ähnliche Methoden zu nutzen, helfen Ihnen, zügig an den Markt zu gehen und dabei Ihre hohen Maßstäbe zu wahren, aber eben angepasst auf dieses Stadium.

Wie sind Ihre Erfahrungen, wenn es gilt, ein Produkt fertigzustellen, sei es ein Blogpost, einen Online-Kurs oder ein Buch? Können Sie gut unterscheiden zwischen Prokrastination und Inkubation? Wie gehen Sie mit Ihren hohen Qualitätsansprüchen um?

Was wie Prokrastination aussieht, kann Inkubation sein. Klick um zu Tweeten Wann ist Ihr Online-Kurs oder sonstiges Produkt fertig? Schwierige Frage - oder doch nicht? Klick um zu Tweeten Wenn es mit Ihrem Produkt zu langsam vorangeht: Braucht es noch eine Inkubationsphase? Klick um zu Tweeten

Bildnachweis: iQoncept via canva.com

Danke fürs Teilen:-)
Monika Birkner
 

Monika Birkner unterstützt erfahrene Solopreneure, ein verkaufsfähiges Business zu schaffen und dadurch bereits kurzfristig erfolgreicher zu werden. Sie verbindet ganzheitliche Strategie mit den Systemen zur Umsetzung. In ihrem Blog und ihren Podcasts zeigt sie neue Perspektiven auf, wie Solopreneure anders an ihr gesamtes Business und alle Einzelthemen herangehen können. Für ihre Kunden bietet sie 1:1-Coaching, Membership-Programme und Online-Kurse. Mehr auf der Seite: https://MonikaBirknerFreedomBusiness.de

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Endlich Zeit finden - So wächst dein Business - Katharina Boersch - 5. November 2015

[…] Birkner unterscheidet in ihrem Artikel „Wann ist Ihr Produkt fertig?“ zwischen „Inkubation“ und „Prokrastination“ oder auch […]

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Endlich Zeit finden - So wächst dein Business - Einfach Wirksam - 3. November 2015

[…] Birkner unterscheidet in ihrem Artikel „Wann ist Ihr Produkt fertig?“ zwischen „Inkubation“ und „Prokrastination“ oder auch […]

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Pia Tischer - 14. Juni 2015

Wieder einmal ein hervorragender Artikel – nicht nur für Solounternehmer!
Danke!

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Astrid Ryzek - 13. Juni 2015

Hallo Frau Birkner,

das Wort Prokrastination war mir so gar nicht geläufig, allerdings die Aufschieberitis kenne ich schon 🙂
Ich arbeite sehr viel an meinem Online-Business; eigentlich in jeder freien Minute. Da es viel zu tun gibt, wird auch unausweichlich etwas aufgeschoben. Deshalb versuche ich es wie Goethe: jeden Tag woanders ein wenig vorwärts schieben, sodass alles insgesamt wächst und irgendwann fertig wird.
Natürlich gibt es auch Phasen, in denen man an einer Aufgabe dranbleiben muss. Es ist immer eine individuelle Entscheidung, was jetzt getan werden muss, und wenn man ein gutes Gespür dafür hat, umso besser.
Dieses „Raum schaffen für das neu Entstehende“ ist für mich eine wichtige Phase. Wie Sie schreiben, ist es ein Zurückziehen aus dem Äußerlichen. Das Bild mit dem Kokon ist sehr stimmig und zutreffend. Ohne das geht es meiner Meinung nach gar nicht.
Aufpassen muss ich nur, dass ich mich nicht nur meiner (geliebten) Arbeit widme, anstatt die Seele baumeln und diese Reifung auch geschehen zu lassen.

An meinem Schreibtisch hängt ein großer Zettel: Fertig ist besser als perfekt.
Das schaffe ich nicht immer, aber ich bleibe dran.

Danke für diesen Beitrag und lieben Gruß

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    Monika Birkner - 14. Juni 2015

    Liebe Frau Ryzek,

    richtig köstlich finde ich den Gedanken, jeden Tag woanders ein wenig vorwärts schieben. Wenn ich mir vergegenwärtige, was Goethe alles zu seinen Lebzeiten produziert hat, dann scheint das ein echtes Erfolgsrezept zu sein:-).

    Sich die Rückzugszeit selbst zuzugestehen, das ist oft in der Tat eine Herausforderung. Sich von Zeit zu Zeit daran zu erinnern, ist sicher hilfreich.

    Und Ihren Zettel „Fertig ist besser als perfekt“ finde ich auch eine sehr schöne Idee. Danke schön, dass Sie Ihre Erfahrungen hier einbringen.

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