Älterwerden als Solopreneur hat viel zu tun mit dem eigenen Mindset. In unserer Gesellschaft ist eher ein Negativ-Bild des Älterwerdens verbreitet. Dieser Beitrag bietet inspirierende Beispiele, das Älterwerden als Chance zu betrachten nach dem Motto „Das Beste liegt noch vor mir.“

Typische Herausforderungen, wenn Solopreneure älter werden

Ist es Ihnen schon aufgefallen? Auch Solopreneure werden älter:-).

Damit sind ein paar besondere Herausforderungen verbunden. Kennen Sie die eine oder andere davon?

  • Ungeduld und Frustration: schon so viel getan und immer noch nicht richtig „angekommen“. Der große Durchbruch steht noch aus.
  • Zweifel, ob Sie das Neue noch schaffen: Als Coach höre ich immer wieder „Bin ich zu alt? Schaffe ich das noch?“
  • Ihr privates Umfeld versteht Sie nicht: Wenn Sie mehrheitlich von Menschen umgeben sind, die sich auf den Vorruhestand vorbereiten, hören Sie Fragen wie „Muss das wirklich sein in deinem Alter?“
  • Suche nach neuer Positionierung und skalierbarem, verkaufsfähigem Business: Irgendwann sind Sie aus Ihrer bisherigen Positionierung herausgewachsen. Oder die Marktverhältnisse haben sich geändert. Oder Sie sind das ständige Reisen leid. Oder Ihnen wird bewusst, dass Sie bisher Ihr Business sind, aber kein Business haben, das skalierbar und irgendwann verkaufsfähig wäre.

Wenn auch nur eine der obigen Situationen auf Sie zutrifft, sollten Sie diesen Blogpost lesen.

Und nun fünf Beispiele, die Ihnen als Inspiration dienen sollen.

Inspiration #1: Mit 52 Jahren ein weltweites Unternehmen aufgebaut

Das erste Beispiel, das ich Ihnen vorstellen möchte, betrifft Ray Kroc, den Gründer von McDonald’s.

Wie immer Ihre Einstellung zu McDonald’s ist – die Geschichte der Gründung ist bemerkenswert.

Der Gründer, Ray Kroc, war nämlich zur Zeit der Gründung schon 52. Er hatte bereits eine sehr erfolgreiche Verkaufskarriere vorzuweisen, sogar in zwei Unternehmen. Und dennoch entschloss er sich, noch einmal ganz von vorn anzufangen.

Über sein Mindset mit 50 sagt er: „I was a battle-scarred veteran of the business wars, but I was still eager to go into action… I had diabetes and incipient arthritis. I had lost may gall bladder and most of my thyroid gland in earlier campaigns. But I was convinced the best was ahead of me.“ (Zitat aus Tom Butler-Bowdon: Never Too Late To Be Great).

Sinngemäß: Er war ein kampferprobter Veteran des Businesskrieges, aber fühlte sich nach wie vor unternehmungslustig und aktionsbereit – und das, obwohl er Diabetes und beginnende Arthritis hatte, seine Gallenblase und einen großen Teil seiner Schilddrüse verloren hatte.

Doch er war fest überzeugt, dass das Beste noch vor ihm lag.

Never Too Late to Be Great

Inspiration #2: Stephen R. Covey – Leben im Crescendo, auch noch mit 76 Jahren

Stephen R. Covey ist den meisten wahrscheinlich bekannt durch sein Buch The Seven Habits of Highly Effective People (Die sieben Wege zur Effektivität).

Doch obwohl dieses Buch ein Riesenerfolg war, dachte er nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen und auf seinen Lorbeeren auszuruhen.

Sondern gemäß seiner Lebensphilosophie „Leben im Crescendo“ ging er – ähnlich wie Ray Kroc – davon aus, dass das Beste noch vor ihm lag. In seinem Buch The 3rd Alternative ist ein ganzes Kapitel dem Leben im Crescendo gewidmet (deutsch: Die dritte Alternative).

In einem Blogpost, den er im Alter von 76 schreibt, bringt er seine Einstellung zum Älterwerden auf den Punkt:

„…Living life in crescendo to me means that my most important work is always ahead of me, never behind me. I believe that “where much is given, much is required.” I have a sacred stewardship to contribute and not to retire to leisure. Also, the greatest way to serve my 50 grandkids is not just to love them and tend to their interests and needs, but to be an example of someone who is constantly making a difference in the world….“

Die Quintessenz davon ist, dass er seine wichtigste Arbeit noch vor sich sieht. Statt sich zurückzuziehen, sieht er sich in der Pflicht, sein Wissen und seine Erfahrungen zum Wohle anderer zu nutzen.

Ein anderes Motiv ist, seinen 50 Enkeln ein Beispiel sein für jemanden, der ständig darum bemüht ist, einen Unterschied in der Welt zu machen.

Falls Sie sich ausführlicher mit seiner Einstellung beschäftigen wollen, lege ich Ihnen das zuvor erwähnte Buch The 3rd Alternative ans Herz. Dort ist ein ganzes Kapitel dem gewidmet, was er als „Living in Crescendo“ beschreibt.

Stephen R. Covey: The 3rd Alternative

Inspiration #3: „Never Too Late to be Great“ – Buchtipp mit vielen Beispielen

Das Buch Never Too Late To Be Great habe ich schon vielen Klienten ans Herz gelegt. Es beruht auf zwei Prämissen:

  • Zum einen, dass die meisten großen Leistungen wesentlich länger dauern als ursprünglich gedacht.
  • Zum anderen, dass wir durch die gestiegene Lebenserwartung viel mehr Zeit haben, große Leistungen zu vollbringen.

Anhand unzähliger Beispiele aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Sport und anderen Bereichen belegt Butler-Bowdon, dass dem Durchbruch in der Regel 10 Jahre oder mehr vorausgingen, in denen das Neue sich vorbereitete.

Was er auch betont: Dass diese Reifezeit oftmals auch eine wichtige Zeit der Charakterschulung für die betreffende Person war.

Ein paar Beispiele aus dem Buch von Butler-Bowdon: Einige davon überraschen Sie wahrscheinlich

  • Leonarda da Vinci begann die Mona Lisa in seinen 50ern und malte daran bis in seine 60er Jahre.
  • Immanuel Kant wurde mit 46 Philosophie-Professor, doch brauchte dann noch mehr als 10 Jahre, um seine früheren Positionen zu überprüfen. Erst mit 57 veröffentlichte er sein Meisterwerk „Die Kritik der reinen Vernunft“.
  • Fritz Perls, 1893 geboren, Mit-Begründer der Gestalt-Therapie, kommt damit erst in den 50ern und 60ern richtig heraus
  • Sir Christopher Wren, Architekt von mehr als 50 Londoner Kirchen, darunter der St. Paul’s Cathedral, ging mit 86 in den Ruhestand.
  • Der Modeschöpfer Christian Dior war schon über 40, als er sein Modehaus Christian Dior S.A. gründete.
  • Frank Lloyd Wright war 91, als er das Guggenheim Museum in New York beendet hatte.
  • Nobelpreisträger Linus Pauling veröffentlichte in der Zeit zwischen 70 und 90 mehr wissenschaftliche Papers als in der Zeit zwischen 50 und 70.
  • Voltaire schrieb Candide mit 65.
  • Goethe beendete seinen Faust mit 82.
  • William Griffith Wilson (auch Bill Wilson genannt) gründete mit 43 Jahren die Anonymen Alkoholiker, nachdem er jahrelang selbst alkoholabhängig gewesen war.
  • Jean Nidetch war 40, als sie die Weight Watchers gründete, nachdem sie selbst erlebt hatte, wie Gruppen beim Abnehmen helfen können.
  • Louis Armstrong hatte seinen Hit What a Wonderful World erst mit 66 Jahren.
  • Und auch Steve Jobs hatte seine Glanzzeit erst, als er sozusagen aus dem „Exil“ zurückkam und wieder neu bei Apple anfing.
Never Too Late to Be Great

Inspiration #4: Louise Hay – Bestseller-Autorin mit 50 und Verlagsgründerin mit über 60

Sehr eindrucksvoll finde ich auch das Leben von Louise Hay.

Louise Hay wurde 1926 geboren und verstarb 2017. Nach einem nicht leichten Leben veröffentlichte sie im Jahr 1976, also mit 50, ihr Buch Heal Your Body.

Zu der Zeit war es noch sehr ungewöhnlich, Zusammenhänge zwischen Innen und Außen zu sehen. Das Buch wurde in 25 Sprachen übersetzt.

1984 erschien You Can Heal Your Life. Von diesem Buch wurde rd. 50 Millionen (!) Exemplare verkauft.

Damit noch nicht genug. 1987 (also mit über 60) gründete sie den HayHouse-Verlag. Dieser bezeichnet sich als einen der am schnellsten wachsenden Verlage in der Welt auf dem Gebiet von Selbst-Hilfe und Transformation mit Verkäufen in 35 Ländern der Welt und einer Vielzahl hochangesehener Bestseller-Autoren.

Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus ihren Aktivitäten. Ich kenne ihr Lebensmotto nicht und weiß nicht, wie sie über Älterwerden dachte. Doch ihr Wirken machte nicht den Eindruck, dass sie sich selbst limitierte.

Louise Hay: You Can Heal Your Life

Inspiration #5: Das Leben ist kein Bogen, sondern eine Treppe – Jane Fonda (Video)

Abschließend möchte ich Ihnen noch dieses Video von Jane Fonda ans Herz legen. Es gibt eine Rede wieder, die sie 2011 bei der TEDxWomen-Konferenz hielt.

Jane Fonda ist nicht nur als Schauspielerin in Erscheinung getreten, sondern auch als Aerobic-Lehrerin weltweit. Ihren 79. Geburtstag beging sie mit einer politischen Protest-Aktion, wie sie in ihrem Blog schreibt.

Das o.g. Video finde ich besonders bemerkenswert, weil sie dort ein neues Verständnis von Älterwerden kommuniziert: nicht als Bogen mit einem aufsteigenden Teil und einem wieder absteigenden Teil, sondern als Treppe mit unzähligen Stufen, die weiter nach oben führen.

Dabei geht es nicht nur um körperliche oder geistige Fitness. Sondern wiederum spielt das Mindset eine Rolle. Den dritten Akt des Lebens, wie sie ihn nennt, versteht sie als Entwicklungsstufe zum Erreichen von Ganzheit, Weisheit und Authentizität. „Das Alter nicht als Diagnose, sondern das Alter als Potenzial“ bringt sie es auf den Punkt.

Hier gibt es ein deutsche Transkription des Redetextes.

Ihre Konsequenzen daraus?

Ich weiß nicht, welche Konsequenzen Sie aus diesen Beispielen ziehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie daraus Inspiration gewönnen und neue Perspektiven für Ihr eigenes Älterwerden als Solopreneur. Und für einen neuen Blick auf die oben erwähnten Herausforderungen:

  • Ungeduld und Frustration: Sie haben im Zweifel noch sehr viel Zeit, um Ihr wahres Potenzial zu entfalten und neue Durchbrüche zu schaffen.
  • Selbstzweifel: Beispiele anderer können eine gute Möglichkeit sein, eigene Selbstzweifel zu überwinden.
  • Fehlende Unterstützung von Menschen in Ihrem privaten Umfeld: Sie können diese Unterstützung nicht erzwingen. Doch Sie können sich andere Unterstützung suchen. Lassen Sie uns gern über die Möglichkeiten sprechen, die ich anbiete.
  • Suche nach neuer Positionierung und Fragen, wie Sie Ihr Business verkaufsfähig machen: Diese Fragen werden in der Tat immer relevanter. Gern unterstütze ich Sie dabei. In meinem Positionierungs-Programm beginnen wir immer mit Ihrer Zukunfts-Vision.

Nehmen Sie hier Kontakt auf, um mehr über meine aktuellen Unterstützungsangebote zu erfahren.

Eine Erkenntnis, die sich im Laufe der Jahre bei mir verfestigt hat: Es gibt viele „Late Bloomers“, die erst in späteren Jahren den Durchbruch schaffen.

Doch die Zeit vorher war nicht vergebens. Sondern es war eine wichtige Vorbereitungszeit.

Das Leben als Trainingscamp: Das ist meine Erfahrung.

Diese Vorstellung kann sehr befriedend wirken. Vielleicht probieren Sie sie einfach mal an.

Was wäre, wenn Ihr bisheriges Leben lediglich ein Trainingscamp gewesen wäre für das, was noch vor Ihnen liegt?

Die wichtigsten Take-aways

Auch Solopreneure werden älter. Viele erleben das als unternehmerische und persönliche Herausforderung. Doch tatsächlich waren die Chancen noch nie so gut.

1. Noch in keiner Generation zuvor gab es so viele Chancen, das Älterwerden ganz neu zu erfinden.

2. Als Solopreneur sind Ihre Chancen noch viel, viel besser, zu den Pionieren des Älterwerdens zu gehören. Denn Sie haben wesentlich mehr Gestaltungsfreiheit als ein Angestellter. Ganz egal, wie Ihr kalendarisches Alter derzeit lautet, haben Sie im Zweifel noch wesentlich mehr Zeit zur Verfügung, auch große Ziele zu verwirklichen, als Ihnen derzeit bewusst ist. 

3. Ganz entscheidend ist das Mindset. Es gilt, sich aus den limitierenden individuellen und kollektiven Glaubenssätzen zu befreien, die derzeit noch vorherrschen. Erfolgreiche Unternehmer, Künstler, Sportler und viele andere haben immer schon ein anderes Mindset praktiziert. nämlich: „Das Beste kommt erst noch“.

4. Ich gehe gern noch einen Schritt weiter und sage: Ihr bisheriges Leben war das „Trainingscamp“. Jetzt geht es erst richtig los.

5. Oben finden Sie zahlreiche Beispiele bekannter Menschen, die Vorreiter sind für ein neues Verständnis von Älterwerden sowie sehr lohnenswerte Buch- bzw. Videotipps. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein. Lassen Sie sich davon inspirieren.

6. Wenn das Mindset geklärt ist, können Sie sich neu positionieren, Ihr Geschäftsmodell neu aufsetzen oder weiter entwickeln und sich auf die Skalierbarkeit und Verkaufsfähigkeit Ihres Unternehmens vorbereiten. Dann kann auch dann noch Gutes in die Welt kommen, wenn Sie selbst nicht mehr aktiv mitarbeiten

Der Beitrag erschien erstmals am 09.03.2017. Letztes Update 22.04.2021

Ich bin Monika Birkner und unterstütze vielseitige Solopreneure, gerade wegen ihrer Vielfalt erfolgreich zu sein und ein Business zu schaffen, das größer ist als sie selbst.

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