Solopreneure: Produktivität beginnt beim Geschäftsmodell

Für Solopreneure beginnt die Produktivität beim Geschäftsmodell

Sie können alle Zeitmanagement-Bücher der Welt lesen, Ihre To-do-Listen optimieren, Ihre E-Mails effizient bearbeiten und noch mehr – doch wenn Ihr Geschäftsmodell nicht stimmt, kommen Sie nicht auf einen grünen Zweig. Für Solopreneure beginnt Produktivität beim Geschäftsmodell.

Diese These habe ich im Jubiläumspodcast von Ivan Blatter vertreten.  Anlässlich seiner 200. Podcast-Episode hatte Ivan 10 Experten  – darunter auch mich –  eingeladen, ihren besten Tipp zum Zeitmanagement kundzutun. Das war natürlich eine große Ehre:-).

In diesem Beitrag will ich das näher erläutern und Ihnen Reflexionsfragen an die Hand geben, um aus dem Beitrag sofort Erkenntnisse für Ihre Situation zu ziehen und diese alsbald umzusetzen.

Die besondere Situation von Solopreneuren

Als Solopreneur müssen Sie produktiv sein. Denn Sie haben in der Regel

  • viel mehr Ideen und Möglichkeiten, als Sie umsetzen können
  • unzählige „Hüte“, die Sie im Alltag tragen und die dazu führen, dass nie Zeit genug ist für alles
  • die Chance und auch die Herausforderung, sich selbst und ihren Alltag sinnvoll zu organisieren und zu strukturieren

Doch die größte Besonderheit ist: Ob und in welchem Maße Sie als Solopreneur produktiv sind, wirkt sich unmittelbar auf das Einkommen aus.

Und langfristig auch darauf, in welchem Maße Sie Ihre Visionen verwirklichen, die Ihr eigenes Leben betreffen, was Sie für Ihre Kunden und die Welt bewirken und wohin Sie Ihr Business entwickeln wollen.

Umso wichtiger ist es für Solo-Unternehmer, sich über die entscheidenden Stellhebel bewusst zu sein und diese intelligent zu nutzen.

Und diese gehen über die Techniken und Tools herkömmlichen Zeitmanagements weit hinaus.

Produktivität für Solopreneure beginnt beim Geschäftsmodell

Zwischen Produktivität und Geschäftsmodell gibt es vielfältige Zusammenhänge. Ich will hier beispielhaft drei herausgreifen:

  • die Auswahl der Kunden
  • die Gestaltung der Angebote und Kundenbeziehungen
  • den Aufwand für die Erfüllung der Kundenaufträge.

Mit diesen drei Themen haben Sie drei wichtige Stellhebel für mehr Produktivität, mehr Einkommen  und  mehr  Impact –  und vielleicht auch mehr persönliche Erfüllung.

Stellhebel #1: Die Auswahl der Kunden – Einmalbedarf oder Mehrfachbedarf?

Vielleicht haben Sie schon über so genannte Wunschkunden nachgedacht und sich in dem Rahmen überlegt, mit wem Sie gerne arbeiten.

Doch haben Sie auch überlegt, welche Kunden strategisch am sinnvollsten für Sie sind?

Zwei Anwälte mit gleichen Fachgebieten, doch ganz unterschiedlicher Auslastung

  • Rechtsanwalt A  ist Anwalt für Arbeitsrecht. Er strengt sich sehr an, immer wieder neue Mandanten zu gewinnen und es kostet ihn viel Zeit.
  • Rechtsanwalt B, ebenfalls Anwalt für Arbeitsrecht, ist hingegen sehr gut ausgelastet. Er verwendet relativ wenig Zeit für die Mandantengewinnung und dafür umso mehr für die Bearbeitung der Mandate.

Der entscheidende Unterschied ist:

Rechtsanwalt A vertritt vorwiegend Arbeitnehmer. Die meisten benötigen nur einmal im Leben einen Anwalt. Daher muss er immer wieder neue Mandanten suchen.

Rechtsanwalt B vertritt mehrere größere Firmen und Verbände. Von dort erhält er „automatisch“ immer wieder „Nachschub.

Ähnliche Situationen gibt es in vielen Branchen – möglicherweise auch in Ihrer.

Wie Sie das umsetzen können:

  • Wie oft benötigen Ihre Kunden Ihre Leistungen?
  • Wo in Ihrem Markt gibt es Kundensegmente, mit denen Wiederholungs- oder Folgeaufträge möglich sind?
  • Was würde es für Ihre Produktivität und Ihr Einkommen bedeuten, mehr solcher Kunden zu gewinnen?

Stellhebel #2: Gestaltung der Angebote und Kundenbeziehungen – denken Sie langfristig

Im o.g. Fall ging es um eine grundsätzliche Weichenstellung, die alles andere beeinflusst. Kunden, die nur einmal im Leben Bedarf haben, lassen sich nicht überreden, öfter von Ihnen zu kaufen.

Anders ist es, wenn Ihre Kunden Ihre Leistungen öfter gebrauchen könnten, aber sie trotzdem nicht in Anspruch nehmen.

Das kann darauf zurückzuführen sein, wie Sie die Angebote und Kundenbeziehungen gestalten. Und das lässt sich meist leichter ändern als die o.g. Situation.

Zwei Coaches – unterschiedliches Geschäftsmodell, unterschiedliches Einkommen

  • Coach A ist stolz darauf, 3-Stunden-Kurzzeitcoachings anzubieten. Folge ist allerdings, dass er viel  unbezahlte Zeit fürs Marketing verbringt und relativ wenig Zeit mit seinen Klienten, obwohl er Coach aus Leidenschaft ist. Auch ist sein Einkommen weder besonders hoch noch besonders vorhersehbar.
  • Coach B bietet ein 6-Monats-Coaching-Programm. Seine Klienten erreichen damit tiefgehende Veränderungen. Für ihn ist diese Arbeit sehr befriedigend und außerdem lukrativ.

Auch diese Beispiele sind nicht an eine Branche gebunden, sondern lassen sich in vielen Branchen finden.

Drei Lösungsmöglichkeiten:

Wenn es darum geht, die Angebote und Kundenbeziehungen im Rahmen des Geschäftsmodells zu gestalten, gibt es verschiedene Lösungsmöglichkeiten.

Es lohnt sich, sich darüber Gedanken zu machen.

In meinem Buch „Erfolgreich als Solo-Unternehmer“ nenne ich drei Typen von Geschäftsmodellen:

  • Modell Verpflichtung
  • Modell Verführung
  • Modell Vermehrung

Monika Birkner: Erfolgreich als Solo-Unternehmer
  • Modell Verpflichtung: Prototyp dafür ist das Abo-Modell. Der Kunde verpflichtet sich, für einen gewissen Zeitraum regelmäßig Leistungen zu kaufen. Membership- oder Mitgliedermodelle, wie sie heute mehr und mehr en vogue sind, gehören ebenfalls dazu.

Lese-Empfehlung zum Abo-Modell: Was ein Abo-Modell für Ihr Business tun kann – neun spannende Ansätze

  • Modell Verführung: Ihre guten Leistungen, Ihr Marketing, Ihre attraktiven Folge-Angebote – das und noch mehr führt dazu, dass Ihr Kunde nach dem Erstauftrag gern noch weitere Leistungen in Anspruch nimmt.

Lese-Empfehlung zu Möglichkeiten, Ihren Umsatz zu steigern: Drei Strategien zur Umsatzsteigerung – und wie Sie das Meiste daraus machen

  • Modell Vermehrung: Hier liegt die Situation vor, dass ein Kunde nur einmaligen Bedarf hat (s. oben das Beispiel der Anwälte). Gleichwohl ist auch hier noch nicht Hopfen und Malz verloren. Denn mit genügend Kreativität und strategischem Blick über den Tellerrand lassen sich Möglichkeiten finden, auch dieses Modell weiter auszubauen – selbst wenn es mit den bisherigen Kunden nicht möglich ist. Berater, die in Organisationen unterwegs sind, können durch kluges internes Marketing Aufträge von anderen Organisationseinheiten gewinnen. Hochzeitsfotografen können geschicktes Empfehlungsmarketing betreiben. Und auch die Weitergabe des eigenen Know-hows an Branchenkollegen kann ein Weg sein, den Risiken der Einmal-Kunden zu entkommen.

Lese-Empfehlung: Warum auch Ihre Kunden Vorteile von langfristigen Kundenbeziehungen haben

Wie Sie das umsetzen können:

  • Welche neue Herausforderung haben Ihre Kunden, wenn die Herausforderung gelöst ist, wegen derer sie anfangs gekommen sind?
  • Welche hinderlichen Glaubenssätze halten Sie möglicherweise ab, das volle Potenzial einer Kundenbeziehung auszuschöpfen?
  • Welche weiteren Angebote können Sie sich vorstellen?

Stellhebel #3: Weniger Aufwand für Ihre Kundenaufträge

Ihre Produktivität wird auch davon beeinflusst, wie viel Aufwand Ihre Kundenaufträge mit sich bringen.

Zwei Webdesignerinnen – gleiches Business , unterschiedlicher Aufwand

  • Webdesignerin A ist stolz auf Ihre Vielseitigkeit und dass sie alle ihre Kunden sehr individuell behandelt. Das führt allerdings dazu, dass sie für einzelne Kunden Know-how und Tools vorhalten und regelmäßig aktualisieren muss, die sie sonst nicht braucht. Sie ist unzufrieden mit der Situation, weil die  regelmäßige Weiterbildung Sie einiges an Zeit und Geld kostet und das Einkommen, das sie mit diesen Kunden erzielt, das nicht wiederspiegelt.

Lese-Empfehlung: Wie Sie Ihre Leistungen standardisieren und dennoch aktuell halten können

  • Webdesignerin B hat ihr Business so umgebaut, dass sie ihr Business radikal vereinfacht hat: nur eine Plattform, nur ein Template, nur jeweils einen Anbieter für Hosting, E-Mal-Services usw. Ihr entgehen zwar bestimmte Aufträge. Doch sie braucht sich nicht damit zu belasten, alles mögliche Wissen vorzuhalten und zu aktualisieren. Und durch die enge Ausrichtung kennt sie die Tools, die sie nutzt, aus dem Effeff und arbeitet damit sehr effizient

Lese-und Hör-Empfehlung: Interview mit Maik Pfingsten zum Productized Service

Auch dieses Beispiel lässt sich auf viele Branchen übertragen.

Lösungsmöglichkeiten:

Es lassen sich verschiedene Lösungsmöglichkeiten denken, zum Beispiel

  • noch einmal überdenken, welche Kunden Sie annehmen wollen und nicht
  • für Sonderleistungen die Preise erhöhen
  • Kooperationen mit Spezialisten, an die Sie Sonderarbeiten abgeben
  • Productized Service
  • oder umgekehrt, Ihr Spezial-Know-how besser nutzen, so dass sich die Aufwendungen rentieren.

Wie Sie das umsetzen können:

  • Welche Ihrer Kunden erfordern besonderen Aufwand? Wie rechnet der sich?
  • Wie könnte Ihr Business aussehen, wenn Sie es radikal vereinfachen würden?
  • Was könnte Sie abhalten, das zu realisieren?

Nächste Schritte für Ihre Produktivität

Ich hoffe, dass die Beispiele und Reflexionsfragen Ihnen Anregungen gegeben haben, wie Sie durch eine Optimierung Ihres Geschäftsmodells Ihre Produktivität positiv beeinflussen können.

Wenn Sie noch mehr in die Tiefe gehen wollen, bieten sich dafür folgende Möglichkeiten an:

  • Mein Programm „Business- Rebirth Week“: In fünf kurzen und fokussierten Einheiten analysieren Sie Ihre Ist-Situation, schaffen sich eine verlockende Zukunftsvision und bereiten die systematische Umsetzung vor. Ergänzend dazu gibt es 1:1-Coaching.
  • Mein Programm Positionierung & Transformation: Dieses Programm geht weit über Positionierung hinaus. Es bietet Ihnen gleichzeitig die Grundlage für ein sorgfältig komponiertes Geschäftsmodell und gesteigerte Produktivität. Ergänzend dazu gibt es 1:1-Coaching.
  • 1:1-Zusammenarbeit: Die 1:1-Zusammenarbeit können wir ganz individuell auf Ihre Situation anpassen.

Bildnachweis:

hahnsinn – Büro für Design & Webentwicklung 

Buchcover: Walhalla-Fachverlag

2 Kommentare zu „Für Solopreneure beginnt die Produktivität beim Geschäftsmodell“

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