Wir sind erwachsen. Wir sind selbstständig. Wir haben die besten Voraussetzungen, um ein Leben nach eigener Wahl zu leben.

Oder doch nicht?

Wie die Eltern die Selbstständigkeit beeinflussen

Ein Phänomen, das mich ich in meiner nun mehr als 14-jährigen Coaching- und Beratungspraxis immer wieder verblüfft hat, ist der Einfluss, den unsere Eltern aufs Business haben. Zum Beispiel

  • indem wir Ziele verfolgen, die nicht die eigenen sind
  • indem wir immer noch die Anerkennung der Eltern suchen und dafür zu mancherlei Verbiegungen, Verrenkungen und Kompromissen bereit sind
  • indem wir Dinge nicht tun aus Angst, die Zugehörigkeit zu verlieren.

Was geschieht, wenn die Eltern sterben?

Wie beeinflusst der Tod unserer Eltern unser Business?

Meine Mutter starb im Frühjahr dieses Jahres, nachdem mein Vater bereits einige Jahre zuvor gegangen war. Schon während ihrer langen Krankheit und noch mehr nach ihrem Tod hat sich bei mir vieles umgekrempelt und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Hängen diese Veränderungen mit dem Tod meiner Mutter zusammen?

Vielleicht nicht.

Und vielleicht doch.

Der entscheidende Wendepunkt

Losing Your Parents CoverFür letzteres spricht das, was Victoria Secunda, Autorin von Losing Your Parents, Finding Your Self  herausgefunden hat.

Durch schriftliche Fragebögen und intensive Interviews erfuhr sie, welche Erfahrungen insgesamt 110 Menschen nach dem Tod ihrer Eltern machten. Darüber hinaus wertete sie unzählige Quellen von allen möglichen Experten rund um diese Thematik aus.

Ihre eindeutige Schlussfolgerung:

Der Tod der Eltern ist das einschneidendste Erlebnis im Leben eines Erwachsenen, der entscheidende Wendepunkt.

Veränderungen jeglicher Art, auch beruflich

Der Tod der Eltern kann sich auf alle Lebensbereiche auswirken. Die Interviewpartner von Victoria Secunda berichteten neben aller Trauer und ähnlichen Gefühlen auch von

  • Erleichterung und Freiheit, das Leben nunmehr nach eigenen Vorstellungen zu gestalten
  • Veränderungen in den Beziehungen zu anderen Familienmitgliedern
  • Veränderungen in sonstigen Beziehungen, zum Beispiel in der eigenen Partnerschaft oder Familie
  • beruflicher Neuausrichtung.

Berufliche Neuausrichtung: Career Redirection, Career Rejuvenation, Career Confusion

Ungefähr die Hälfte der Teilnehmer hat berufliche Veränderungen vollzogen. Besonders interessant: 69 % von ihnen führten diese direkt auf den Tod der Eltern zurück.

Die Art der beruflichen Neuausrichtung kann sehr unterschiedlich sein. Victoria Secunda unterteilt in:

  • Career Redirection: neue Wege gehen
  • Career Rejuvenation: im Rahmen des Bestehenden sich neu entfalten
  • Career Confusion: nicht zu wissen, wie es weiter gehen soll.

Neue Wege gehen (Career Redirection)

Neue Wege zu gehen (Career Redirection) kann im Einzelfall sehr unterschiedlich aussehen:

  • eigene Träume zu verwirklichen, statt das zu tun, was sich die Eltern für einen gewünscht hatten
  • zu voller Leistung aufzulaufen, vielleicht erstmals im Leben, und überdurchschnittlich erfolgreich zu werden.
  • kreativen Ausdruck zu finden und die eigene Botschaft in die Welt zu bringen
  • der Arbeit weniger Gewicht im Leben zu geben.

Sich im Rahmen des Bestehenden neu entfalten (Career Rejuvenation)

Berufliche Veränderung muss nicht immer äußere Veränderung bedeuten. Oftmals ist es eher eine innere Veränderung.

Eine Veränderung, die damit einhergeht, sich von Erwartungen und Zuschreibungen der Eltern zu lösen.

Die mit einem neuen Grad an „Ownership“ für den eigenen Erfolg oder Misserfolg verbunden ist, also mit mehr Eigenverantwortung und der Bereitschaft, diese auch zu übernehmen. Das kann sich zum Beispiel äußern darin, neue Verantwortung für die finanzielle Zukunft zu übernehmen.

Orientierungslosigkeit (Career Confusion)

Career Confusion kann besonders dann eintreten, wenn sich jemand auch im Erwachsenenalter emotional noch nicht vom Elternhaus gelöst hat.

Ein möglicher Fall ist der, dass jemand sein ganzes Berufsleben darauf aufbaut, den Eltern etwas zu beweisen. Wenn die Eltern nicht mehr da sind, wird das hinfällig.

Orientierungslosigkeit ist auch möglich, wenn jemand die kranken Eltern längere Zeit gepflegt hat und die eigenen Wünsche und Bedürfnisse dabei sehr zurückgestellt hat.

Bewusstsein der eigenen Endlichkeit

Neben all diesen Veränderungen ist der Tod der Eltern oft mit einem neuen Bewusstsein der eigenen Endlichkeit verbunden.

Das kann dazu führen, bewusster mit seiner Zeit umzugehen. Mehr noch darüber nachzudenken, welche Spuren man hinterlassen will.

Ich erlebe das auch oft in Gesprächen um ein verkaufsfähiges Business. Dieses Thema hat viele Facetten: Neben den finanziellen Aspekten spielt auch für viele eine Rolle, Spuren hinterlassen zu wollen. Das, was man selbst an Erfahrungen gesammelt und was man selbst aufgebaut hat, weiter geben zu wollen.

Abnabelung von den Eltern zu Ende bringen

Die äußere Trennung von den Eltern kann dazu führen, mehr und mehr die Abnabelung von den Eltern zu vollziehen, die zu Lebzeiten noch nicht möglich ist. Victoria Secunda drückt das in diesem Zitat (S. 281) sehr schön aus (zunächst im Original, dann sinngemäß umschrieben):

„They (ihre Eltern, Anm. von mir) had to die for  me to see who they were, apart from  me, and who I am, apart from them. They had to die for  me to fully understand that while I am of  them, I am not them.“

„Erst nach dem Tod meiner Eltern konnte ich sehen, wer sie waren und wer ich bin, sie eigenständig wahrzunehmen in Bezug auf mich und mich eigenständig in Bezug auf sie. Erst nach ihrem Tod habe ich voll und ganz verstanden, dass ich zwar von ihnen abstamme, aber dass ich nicht sie bin.“

Und damit erwächst die Chance – und auch aus meiner Sicht die Aufgabe – das eigene Leben voll und ganz zu leben.

Für eigene Verarbeitung und für Coaches und Berater

Dieses Buch hat mir sehr geholfen, mir die volle Tragweite davon bewusst zu machen, dass ich nun eine „erwachsene Waise“ bin, wie Victoria Secunda es ausdrückt („adult orphan“). Ich finde es auch immer hilfreich, eigene Erfahrungen in einem größeren Kontext zu sehen und zu erleben, dass andere ähnliche Erfahrungen machen.

Dieses Buch ist auch wichtig für meine Coaching- und Beratungspraxis. Ich empfehle es allen, die nicht nur das eigene Erleben, sondern auch das ihrer Klienten noch besser verstehen wollen.

Mein Beitrag zur November-Aktion im Totenhemd-Blog

Ein großes  „Danke“ an Petra Schuseil und Annegret Zander, die mit ihrer November-Aktion im Totenhemd-Blog den Raum geöffnet haben für sehr individuelle und vielfältige Beiträge rund um Tod und Sterben unter dem Motto „Was ist deine heimlichste Frage zum Sterben und zum Tod?“

Meine Frage „Wie beeinflusst der Tod unserer Eltern unsere berufliche Entwicklung?“ haben Sie hier kennen gelernt und auch, wo ich Antworten gesucht und gefunden habe. Vielleicht regt dieser Beitrag Sie an, für sich selbst die Frage überhaupt erst einmal zu stellen. Vielleicht regt er Sie an, neue Antworten zu finden.

Mit Victoria Secunda bin ich einig, dass dieses Ereignis ein Wendepunkt im Leben ist und vielleicht in der Tat der wichtigste.

Hier ist der Link zum Buch: 

Victoria Secunda: Losing Your Parents, Finding Your Self

Wie der Tod der Eltern die berufliche Entwicklung beeinflusst Klick um zu Tweeten Eindrucksvolle Forschungsergebnisse: Berufliche Veränderungen nach dem Tod der Eltern Klick um zu Tweeten Wenn die Eltern sterben: Überraschende Auswirkungen auf das Business #Solopreneure Klick um zu Tweeten

 

 

Bildnachweis:

Danke fürs Teilen:-)
Monika Birkner
 

Ich unterstütze Solo-Unternehmer, ihre Einzigartigkeit wertzuschätzen und damit ein erfolgreiches, verkaufsfähiges Business zu kreieren. Wenn Sie eine ganzheitlich-systematische Arbeitsweise lieben - ob im Rahmen von Coaching-Programmen oder 1:1-Zusammenarbeit - und bereit sind für echte Durchbrüche im Denken, Handeln und in den Ergebnissen, ist eine Discovery Session mit mir ein guter nächster Schritt. Mehr dazu auf meiner Seite "Angebote".

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Esther Wasser - 7. April 2016

Liebe Frau Birkner,

großartig das Sie dieses Thema vergangenes Jahr ins Licht geholt haben. Ich habe diese Erfahrung 2001 gemacht. Der Held meines damaligen Lebens starb mit 58 Jahren den Sekundentod. Was damals als Weltuntergang erschien ist heute in Dankbarkeit gewandelt. Ich bin dankbar das er gegangen ist, so mußte ich mich der Realität meiner Selbstverleugnung stellen und heilen. Das es eine Ebene der Ganzheitlichkeit des Menschen gibt, die oft mit der Psyche verwechselt wird und essentiell zum MenschSein gehört, habe ich durch die Lehre über die „Archetypen der Seele“ kennengelernt. Der Sinn des Menschseins, des Schmerzes, wozu Selbstverleugnung bei mir und das manche Fakten für die Ewigkeit bestimmt sind, jenseits von Coaching. Ich nutze dies mehr und mehr in meiner Arbeit. LG, Esther Wasser

Reply
    Monika Birkner - 7. April 2016

    Liebe Frau Wasser, danke schön, dass Sie Ihre Erfahrungen hier teilen. Was ich aus Ihren Worten heraushöre: dass es sehr tiefgehende Erfahrungen waren. Es ist nicht leicht, sich solchen Ereignissen zu stellen. Sie haben es offenbar getan und dadurch für sich selbst gewonnen und auch etwas für Ihre Arbeit und Ihre Klienten, das keine Coachingausbildung vermitteln kann. Ich finde es wunderbar, wenn Menschen, die mit Menschen arbeiten, dabei auch auf ihre eigene Lebenserfahrung und ihre eigenen Reifungsprozesse zurückgreifen und dadurch einen raum für ihre Klienten schaffen können, der diesen ebenfalls tiefgehende Weiterentwicklung ermöglicht.

    Reply
Eva Peters - 8. Dezember 2015

Liebe Frau Birkner,

vielen Dank, dass Sie dieses spannende Thema aufnehmen.

Für mich selber war der Tod meiner Mutter vor 11 Jahren ausschlaggebend, endlich das Angestelltendasein zu beenden, denn die Endlichkeit wurde mir mehr als deutlich.

Glücklicherweise hatte ich von meinen Eltern immer die Unterstützung mitbekommen, dass es schon richtig sein wird was ich beruflich so mache. Schade ist nur, dass es mir erst nach dem Tod der Eltern bewusst wurde, dass sie uns ein paar Dinge mitgegeben haben, die gar nicht so schlecht waren und die mir in der Selbstständigkeit sehr helfen.

Viele Grüße
Eva Peters

Reply
    Monika Birkner - 8. Dezember 2015

    Liebe Frau Peters, offenbar haben Sie selbst dann ja den Tod Ihrer Mutter als einen wichtigen Wendepunkt erlebt. Ich denke, es ist ein normaler Prozess, dass wir uns erst nach und nach bewusst werden, was wir mit auf den Weg bekommen haben. Glücklicherweise ist es nie zu spät, das anzuerkennen oder sogar dankbar dafür zu sein. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in Ihrer weiteren Selbstständigkeit noch reichlich Gebrauch davon machen:-)

    Reply
Jürgen Höppner - 29. November 2015

Hallo Frau Birkner,

ihre Informationen auf ihrer Seite verfolge ich immer mit viel Interesse. Das Thema Tod und Eltern hat mich angesprochen eine Erfahrung von mir weiterzugeben, die ich gemacht habe.
Ich arbeite in einem Lebensbereich, der sich aufgrund seiner beruflichen Ausrichtung noch nicht wirtschaftlich trägt. Es geht um die Gartentherapie in der Seniorenbetreuung.
Und da habe ich nach dem ich merkte es geht nicht voran mich entschieden mich in der Biographiearbeit weiterzubilden. Und das eröffnet mir jetzt viele innere Möglichkeiten meine Arbeit, die ich in mir trage auch nach Außen hin wirken lassen zu können.
Von daher ist Ihre Idee dahinter zu schauen, was die Eltern bedeuten im Rückblick in der eigenen Biographie ein wichtiger Ansatz, um zufriedener arbeiten zu können. Danke für das Aufgreifen des Themas in Bezug auf das doch so ansonsten nutzenorientierte Wirtschaften in unserer Gesellschaft.

Jürgen Höppner

Reply
    Monika Birkner - 29. November 2015

    Hallo Herr Höppner, danke schön für Ihren Beitrag. Ja, ich denke, dass sich diese Thematik mit der Biographiearbeit gut verbinden lässt. Gartentherapie für Senioren klingt auch sehr interessant. Könnte das nicht auch schon für Leute, die noch nicht im Seniorenalter sind, etwas sein?

    Reply
Peter Illing - 29. November 2015

Ich kann Ihre Ausführungen nur mit dem Hintergrundwissen der Weden voll unterstreichen. Die Eltern sind zuständig auf der weiblichen Seite für die Gefühlswelt, die bereits mit der Mutterbrust aufgesaugt wird, auch die Formung von Intuition und Kreativität. Auf der männlichen Seite ist es die Entschlossenheit und der Wille. Das Erlebte des Kindes wird durch die Handlungen der Eltern geformt. Über die Eltern werden der Platz, die Volkszugehörigkeit, das Sippengefüge und damit die Einstellungen und Gewohnheiten, auch die Muster und Prägungen übernommen. Dazu gehört der Stand in der Gesellschaft und die Vorstellung davon, in welcher Welt man lebt und wie sich dies für einen selbst anfühlt. Hier definiert sich, ob ich die Dinge eher rational oder emotional angehe. Die Form der Stirn ist synchron zu meiner Einstellung zu Verantwortlichkei ten (engstirnig oder aufgeschlossen breit). Jede Stirnverletzung ist ein Zeichen von Angst oder Schuld in Bezug auf die eigenen Ideen und Meinungen hin. Missachtungen, Kränkungen und Störungen zeichnen das was mir an den Kopf geworfen wurde. Hier geht es also um die Wahrung der persönlichen Integrität und die Respektierung des persönlichen Andersseins, von mir selbst und anderen. Gelingt mir das nicht zu Lebzeiten sind erst die Auflösungen auf materieller Ebene Schlüssel für persönliche mentale Loslösungsprozesse. Energetisch wirkt das Paket aber auch nach dem Tod von der „Anderswelt“ weiter.

Reply
    Monika Birkner - 29. November 2015

    Hallo Herr Illing, danke schön für das Einbringen dieser spannenden und für die meisten – auch mich – wohl neuen Sichtweisen. Damit kommt noch einmal eine ganz neue Dimension herein.

    Reply
Maria Ast - 27. November 2015

Hallo Frau Birkner,

Mein Vater ist vor 30 Jahren gestorben – und es fand eine bewegende Versöhnung vor seinem Tod statt. Meine Mutter ist 92, im Kopf noch fit, dennoch verdränge ich nicht mehr, dass sie in nicht allzuferner Zukunft sterben wird.

Tod und Abschied – Mir selbst hat meine Trauerbegleitausbildung sehr geholfen, mich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen, ihn mir sozusagen von ‚vorne‘ anzuschauen, statt ihn wie eine Dauerangst im Nacken sitzen zu haben. Und die Beschäftigung damit hilft mir nachwievor als Coach sehr, denn die Menschen die kommen, scheinen instinktiv zu fühlen, dass ich sie mit „solchen“ Themen, nämlich existenziell berührenden, nicht abwiegele und im ‚Düstern‘ stehen lasse.

Auch wenn ich Ihre „Begeisterung“ für den Auszug

Zitat:
„Erst nach dem Tod meiner Eltern konnte ich sehen, wer sie waren und wer ich bin, sie eigenständig wahrzunehmen in Bezug auf mich und mich eigenständig in Bezug auf sie. Erst nach ihrem Tod habe ich voll und ganz verstanden, dass ich zwar von ihnen abstamme, aber dass ich nicht sie bin.“

nachvollziehen kann, dennoch wage ich anzumerken: Warum denn müssen Eltern/Partner erst sterben, damit wir – mehr – wir werden können? Weil die meisten Menschen den Tod – nicht nur der Eltern – aus ihrem Leben verdrängen. Generell! Dito Coaches, Berater, Therapeuten, die häufig ein völlig unreflektieres Verhältnis bzw. Nicht-Verhältnis dazu haben.

Umso wichtiger finde ich, dass Sie das Thema in einem „Marketingblog“ aufgreifen. Es hängt eben alles mit allem zusammen.

Ich habe diverse Artikel zu Trauer, Tod in meinem Lebenskunst-Blog geschrieben, kürzlich erst: Zeit läuft oder als hätten wir eine Ewigkeit Zeit http://maria-ast.de/lebenskunst-facetten-zeit-oder-warum-leben-gestalten/

Noch ein BUCHTIPP der schon vielen geholfen hat, sich bewusster zu verändern,
– ohne dass erst jemand sterben muss; sich mit den Eltern/Partnern, die gestorben sind zu versöhnen – und bewegt zu erkennen, dass sie und was sie von ihnen als Geschenk mit ins Leben nehmen können!

Verena Kast, Trauern, http://www.amazon.de/Trauern-Phasen-Chancen-psychischen-Prozesses/dp/3451612364/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1448622107&sr=1-3&keywords=verena+kast

Herzliche Grüße aus Bielefeld
Maria Ast

Reply
    Monika Birkner - 27. November 2015

    Liebe Frau Ast, ganz herzlichen Dank, dass Sie hier Ihre persönlichen Erfahrungen und die Erfahrungen aus der Trauerbegleitung schildern. Und danke auch für die Bestätigung, das Thema in einem Businessblog aufzugreifen und für die Lesetipps.

    Ich kann nur bestätigen, dass es hilfreich für Coaches ist, sich mit diesen Themen auseinander zu setzen. Und darüber hinaus die Herausforderungen des Lebens anzunehmen und zu meistern. Meine Erfahrung ist auch, dass Klienten spüren, ob jemand in erster Linie eine Toolbox anwendet oder er selbst durch das Feuer des Lebens gegangen ist.

    Denn für diese tiefgehenden Themen braucht es das Vertrauen und die Sicherheit, dass das Gegenüber damit umgehen kann und nicht davor erschrickt.

    Ich denke, Eltern und Partner „müssen“ nicht sterben, damit wir mehr „wir“ werden können. Das ist in der Regel ein Prozess, der das ganze Leben andauert. Doch meine eigene Erfahrung ist schon, dass der Tod noch einmal gehörig etwas ändert.

    Dass Sie noch vor dem Tod Ihres Vaters eine Versöhnung erleben konnten, finde ich sehr schön und freue mich sehr darüber.

    Reply
Carola Nospickel - 27. November 2015

Liebe Frau Birkner,
vielen Dank für diesen sehr berührenden Artikel. Glücklicherweise leben meine Eltern noch und ich bin sehr froh, dass sie da sind. Trotzdem wird mir gerade in dieser Zeit sehr bewusst, dass irgendwann, wann auch immer, ein Abschied bevorsteht. Ich habe keine Angst davor. Jedoch ist es so, dass es schmerzen würde aber Trauer ist ja auch wichtig und gehört dazu. Nichts desto Trotz wird mir gerade im Bezug auf meine Selbstständigkeit sehr klar, dass das ein Thema ist, mit dem ich mich jetzt intensiv auseinander setzen werde. Die Andeutungen dazu habe ich bereits seit einigen Tagen/Wochen gespürt. Ihr Artikel hat mir jetzt den entscheidenden Anstoß dazu gegeben. Vielen lieben Dank dafür.
Herzliche Grüße
Carola Nospickel

Reply
    Monika Birkner - 27. November 2015

    Liebe Frau Nospickel, ich freue mich für Sie, dass Ihre Eltern noch leben. Sich frühzeitig mit dem Abschied zu befassen, kann auch dazu dienen, die verbleibende Zeit sehr bewusst zu gestalten. Die Selbstständigkeit ist ohnehin eine Lebensform, die dazu einlädt, auffordert oder auch zwingt, sich auf eigene Füße zu stellen. Wenn Sie jetzt den entscheidenden Anstoß bekommen haben für das, was jetzt ansteht, freue ich mich sehr und wünsche gute Erkenntnisse und gute Umsetzung.

    Reply
Alexandra Cordes-Guth - 27. November 2015

Liebe Frau Birkner, ganz herzlichen Dank für Ihren Mut, diesen Beitrag mit uns zu teilen. Inhaltlich kann ich Ihnen als systemische Therapeutin nur auf allen Ebenen zustimmen. Es hat mich positiv überrascht, dass es dazu so ein gutes Buch gibt, das diese Erkenntnisse so fundiert darstellt.
Aber auch persönlich hat mich Ihr Beitrag sehr bewegt. Meine Mutter ist vor 10 Jahren gestorben. Da war sie gerade 60 und ich 40 Jahre alt. So wie hier auch schon geschrieben wurde: Früher dachte ich, dass die Eltern irgendwann eben sterben und man da ja erwachsen ist. Aber das innere Kind leidet immer und es tatsächlich ein sehr großer Einschnitt und eine Veränderung im Leben. Und eine Entwicklungsaufgabe, die einen wachsen lassen kann.

Seit Februar ist mein Vater, der weit weg in Hamburg lebt, (ich wohne in Ravensburg), schwer erkrankt. Er ist 73 und war bis dahin sehr gesund und aktiv. Jetzt heißt es Abschied nehmen und ihn mit seinem Leben gehen lassen, das leider nicht so mit meinem verbunden war, wie ich es mir oft gewünscht hatte. Aber ich weiß auch, dass er ein Kriegskind ist und selbst viel zu tragen hatte. Diese transgenerationalen Traumata haben eine starke Energie, die lange wirkt.
In Ihrem Beitrag haben Sie ja angesprochen, dass sich auch beruflich oft viel ändert. Das war für mich spannend, weil Sie damit etwas in Wort gefasst haben, was ich bis jetzt nur unbewusst gespürt habe. Gerade dieses Jahr hatte ich beruflich noch mal engen Kontakt mit meinem Vater, weil er meine Homepage überarbeiten wollte. Da wurden viele alte Themen wach, mein kleines Mädchen war oft präsent. Und ich weiß, dass es wieder ein Stück Weg in meine Autonomie war.

Für mich ist Ihr Beitrag sehr tröstlich. Dass neben dem schweren Abschied auch ein Neubeginn und eine Weiterentwicklung ansteht. So wie es oft im Leben ist. Und ich werde sehr achtsam wahrnehmen, was sich beruflich weiter bewegen darf.
Ihnen einen schönen ersten Advent – mit herzlichen Dankesgrüßen
Alexandra Cordes-Guth

Reply
    Monika Birkner - 7. Dezember 2015

    Liebe Frau Cordes-Guth, danke schön für Ihre wertschätzenden Worte und für Ihre persönlichen Erfahrungen, die Sie hier teilen. Meine Erfahrung ist, dass beides nebeneinander sein kann und darf: alle die Gefühle, die mit dem Abschiednehmen zu tun haben, und auch das Wissen oder die Ahnung, dass damit auch ein Neubeginn verbunden ist mit weiterer Entwicklung auf dem Weg in die Autonomie.

    Und ich erlebe auch immer wieder, wie wichtig es gerade für uns Coaches ist, uns diesen eigenen Erfahrungen zu stellen, die ja gleichzeitig auch universelle menschliche Erfahrungen sind (wenngleich natürlich immer in individueller Ausprägung erlebt). Auch dadurch tun wir aus meiner Sicht etwas für unsere Klienten, kommen ihnen näher, entwickeln mehr Verständnis und Mitgefühl, ermöglichen einen Raum des Wachstums und erweitern diesen mehr und mehr.

    Ich wünsche Ihnen für Ihre Situation viel Kraft und inneren Frieden.

    Reply
Doc Sarah Schons - 26. November 2015

liebe monika birkner,
danke für diesen artikel…
meine eltern sind ja schon lange tot… und ich erinnere es noch lebhaft, daß sie, liebe frau birkner, in einem premium coaching vor einigen jahren meine tante mit einbeziehen wollten… was ich stoffel nicht für nötig befand… nun ist besagte tante vor ein paar monaten verstorben. und ich merke jetzt erst, wie sehr sie mit ihren lebensdogmata auf mir draufgesessen hat.. und ich mich endlich befreit entfalten kann… danke für den impuls und den artikel und die quellen zum weiterlesen !
herzliche grüße von mir und den labradorables

Reply
    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Frau Dr. Schons, danke schön für Ihren Kommentar. Ich freue mich so sehr über Ihre neuen Erfahrungen und bin sehr gespannt, was sich alles noch zeigen wird. Viele Grüße auch an die labradorables (ein wunderschöner Name:-)).

    Reply
Zamyat M. Klein - 26. November 2015

Liebe Frau Birkner,

das ist nun wirklich mal wieder einer dieser Synchronizitäten.

Mein Vater ist diese Woche gestorben und ich war nicht in den Social Media unterwegs, da ich mit anderen Dingen beschäftigt war. Heute Morgen schaue ich mal so eben kurz bei Twitter vorbei und stoße auf Ihren Hinweis zu diesem Thema. Daher habe ich mich eben doch mal eingeloggt und den Beitrag gelesen.

Natürlich ist der Zeitraum viel zu kurz, als dass ich entsprechende Erfahrungen machen konnte, ob und wie der Tod nun beider Eltern Veränderung bei mir bewirken.
Doch die Themen, die Sie ansprechen, beschäftigen mich schon länger sehr intensiv, so intensiv, dass ich eigene Seminare dazu entwickelt habe und nächstes Jahr in der Türkei anbiete. Das eine nenne ich (Arbeitstitel) „MEIN LEBEN LEBEN“ und das andere soll speziell für Ü60 sein und die Planung der 3. Lebensphase beinhalten. Wie immer mit Kreativitätstechniken und vor allem Bewegung in der Natur.

Denn diese Themen beschäftigen mich eben schon lange und immer mehr. Dass man auch im fortgeschrittenen Alter oft noch (oft unbewussten) Zwängen erliegt, die einen hindern, wirklch den eigenen Weg zu gehen.

Rein äußerlich hat es mich einige Jahre gekostet, bis ich mich „traute“ wirklich zwei Mal im Jahr einfach soo lange in der Türkei zu sein. Die Seminare gaben mir eine kleine Rechtfertigung oder ein Buch, das ich dort schrieb. Aber so ein kleines schlechtes Gewissen war erst schon immer noch dabei. Kann ich einfach so lange weg sein? Es mir hier so gut gehen lassen? Etc.

Auch das Thema immer noch mich beweisen müssen oder um Anerkennung kämpfen gehört dazu. Vom Kopf her sind diese Dinge oft klar, dass auch das 100.Bild, das ich male oder jetzt das 19. Buch, das ich inzwischen geschrieben oder veröffentlicht habe oder was auch immer, das nicht herstellen kann. (Aber damit habe ich meine „Spuren hinterlassen“, das finde ich schön.)

Ein weiterer Aspekt, der mir vertraut ist: sich zwar äußerlich von den Zwängen und Wünschen lösen, indem man quasi das Gegenteil macht. Ich war immer eher rebellisch seit Studienzeiten, aber auch das kann eine Abhängigkeit sein. Die Kehrseite der Medaille- ohne immer zu wissen, ob es wirklich die „eigene“ ist.

Doch gerade auch am Sterbebett (ich war Gottlob dabei) kam mir auch die Erkenntnis: auch durch die Schwierigkeiten, die wir miteinander hatten, habe ich viel gelernt und Fähigkeiten entwickelt, die ich bei einem liebevolleren Vater vielleicht nicht entwickelt hätte.

Was mich dann aber doch sehr erstaunt hat, wie sehr ich doch die ganze Woche unter einer Art Schock stehe, wie unter einer Dunstglocke und bis heute auch nicht gearbeitet habe. Obwohl wir ein gespanntes Verhältnis hatten, mein Vater sehr schwierig war.
Und ich zudem vom Kopf her sehr froh bin, dass es so geschehen ist, wie es geschehen ist. Er war schon 96 (!), geistig immer noch fit (lesend, Musik hörend etc.), hatte dann aber einen Schlaganfall und konnte nicht mehr sprechen. Diese letzten Tage fand ich grausam, so hilflos ausgeliefert sein und sich nicht mehr äußern können- und da habe ich ihm gewünscht, dass es schnell geht.

Zudem konnte ich dabei sein, es war die einzige Woche, in der ich nicht unterwegs auf einem Seminar war, sondern zu Hause.
Für all das bin ich dankbar! Und die Trauer und was auch immer da nun an unendlich vielen Gefühlen hochkommt, ist völlig in Ordnung und darf da sein.
Auch wenn wir Deutschen das kaum können und kennen: der Tod gehört in der Tat zum Leben. Und die Sterblichkeit rückt näher und wird realer.

Auch das ein Grund für meine neuen Seminarthemen in der Türkei: die Zeit wirklich mit dem verbringen, was das eigene Herzensprojekt ist, was einem wichtig ist.

Reply
    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Frau Klein, ja, die Trauer und all die vielen Gefühle, selbst wenn sie teilweise widersprüchlich sein mögen, dürfen da sein. Wie wunderbar, dass Sie gerade in den Tagen nicht auf einem Seminar waren und dabei sein konnten. Und wie wunderbar, dass diese Erkenntnis kam, dass Sie durch diesen Vater Dinge gelernt und Fähigkeiten entwickelt haben, die mit einem liebevolleren Vater nicht möglich gewesen wären.

    Ich glaube, genau diese Erkenntnis ist es, die uns frei machen kann, so dass wir nicht mehr um Anerkennung kämpfen oder rebellieren müssen, sondern unseren eigenen Weg gehen können.

    Für Ihr Projekt MEIN LEBEN LEBEN, das ich großartig finde, ist das sicherlich eine große Bereicherung. Ich freue mich darauf, bei passender Gelegenheit mehr dazu zu erfahren und wünsche Ihnen nunmehr erst einmal, alles gut zu verarbeiten und guten Gewissen Ihr Leben zu leben.

    Reply
Ulrike Bergmann - 26. November 2015

Liebe Frau Birkner,

eher zufällig bin ich gerade auf diesen Beitrag gestoßen – herzlichen Dank für Ihre Gedanken darin.
Beim Lesen erinnerte mich sogleich wieder an das Gefühl, das ich nach dem Tod meines Vateres (meine Mutter war bereits vier Monate zuvor von uns gegangen) im Januar 1997 verspürte: Es war als wäre ein Stöpsel herausgezogen worden und ein bis dahin nicht gekannter Fluss entstand. Ich war damals ziemlich neu in der Selbständigkeit und spürte immer die Sorge meiner Eltern um das Wohlergehen ihrer Ältesten.
Einen großen Teil des Erbes habe ich damals dafür verwendet, mir eine Auszeit zu nehmen und mein erstes Buch zu schreiben. Das war für mich ein großartiges Geschenk, an das ich voller Dankbarkeit denke. Denn es war nicht nur ein Geschenk meinen Eltern an mich, sondern auch der Beginn eines klaren Weges zu der Frau und Mutmacherin, die ich heute bin.

Danke, dass Sie diese Erinnerung hervorgerufen haben.

Herzliche Grüße vom Chiemsee
Ulrike Bergmann

Reply
    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Frau Bergmann, danke schön, dass Sie Ihre Erfahrungen hier teilen. Das Bild vom Stöpsel kann ich gut nachvollziehen. Denn die Sorge der Eltern um das Wohlergehen ihrer Kinder, so liebevoll es auch gemeint ist, kann auch bremsen.

    Dass in der Folgezeit dann Ihr erstes Buch entstand, finde ich großartig. Es wirkt auf mich so wie die Verbindung von Tod und Geburt: In diesem Fall die Geburt eines Buches, das den Beginn Ihres Weges darstellt zu der Frau und Mutmacherin, die Sie heute sind.

    Während ich hier von Geburt schreibe, wird mir gerade klar, dass an dem Tag, als ich den Beitrag schrieb, genau 9 Monate seit dem Tod meiner Mutter vergangen waren:-).

    Reply
Dörte Behrmann - 26. November 2015

Moin liebe Frau Birkner,
mein Vater starb 2002 einen Tag vor meinem Geburtstag und seitdem hat sich dadurch und die begleitete Trauerarbeit mein ganzes Leben verändert. Alles, was Sie ansprechen, habe ich im Prozess erlebt und es war schmerzhaft aber auch schön. In die wirklich eigene Kraft zu gehen, alte Muster hinter zu sich zu lassen und auch die männliche Seite leben zu lassen hat mir rundum gut getan. Ihr gelungener Blogbeitrag hat mir heute nochmal verdeutlicht, welchen Weg ich seitdem zurückgelegt habe. Das macht mich auch als PR-Beraterin wertvoller, denke ich. Danke für den Moment des Innehaltens.
Herzliche Grüße von Dörte Behrmann

Reply
    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Frau Behrmann, danke schön für Ihren Beitrag. „Wirklich in die eigene Kraft zu gehen“ – damit drücken Sie sehr schön aus, was in einem gelungenen Prozess geschehen kann. Und es hat möglicherweise auch etwas damit zu tun, in gewisser Weise vollständiger zu werden: in Ihrem Fall zum Beispiel damit, auch die männliche Seite leben zu lassen. Ich denke auch, dass die eigene innere Arbeit, die Bewältigung von Situationen verschiedenster Art, auch schwierigen und schmerzlichen Situationen, nicht nur uns selbst dient, sondern letztlich auch unseren Kunden zugute kommt. Denn wir begegnen ihnen ja nicht nur in unseren Rollen, sondern als ganze Menschen.

    Reply
Dr. Beate Forsbach - 26. November 2015

Danke, liebe Frau Birkner, für diesen interessanten Artikel, den ich durch das Teilen von Stéphane Etrillard auf FB gesehen habe. „Der Tod der Eltern ist das einschneidendste Erlebnis im Leben eines Erwachsenen, der entscheidende Wendepunkt.“ – Das kann ich für mich nur bestätigen, auch wenn meine Mutter bereits vor 18 Jahren gestorben ist und ich am Tag danach erfuhr, dass mein Vater damals bereits seit 13 Jahren tot war, es mir aber niemand gesagt hatte. So war ich nicht nur auf einen Schlag „Vollwaise“, auch die letzte nähere familiäre Bindung an meinen Bruder bekam einen erheblichen Bruch, weil er meiner Mutter und mir nichts vom Tod des Vaters gesagt hatte. Heute habe ich zu ihm keinen Kontakt mehr.

Ihr Artikel, liebe Monika Birkner, hat bei mir heute ein intensive neue Perspektive auf mein Leben in den letzten 18 Jahren eröffnet, die ich jetzt erst einmal verarbeiten werde. Danke dafür.

Die Veränderungen in meinem Leben waren gravierend: die Beziehung zu meinem einzigen Bruder bekam einen erheblichen Knacks und ist heute nach vielen Versuchen der Versöhnung nicht mehr vorhanden. Ich habe meinen Mann kennengelernt und etwas getan, was ich bis dahin immer abgelehnt habe: Ich habe geheiratet.

Außerdem wurde ich krank – durch den Schock, den der Tod meiner Mutter bei mir ausgelöst hat. Sie war meine allerbeste Freundin und Gesprächspartnerin – als sie noch lebte, hätte ich niemals einen Coach gebraucht. Die Erkrankung dauerte ca. 10 Jahre und führte dazu, dass ich meinen Beruf aufgab. Es gab Schuldgefühle, weil ich meine Dissertation nicht zu Lebzeiten meiner Mutter fertig gestellt hatte. Und meine Zukunftspläne, vom Schuldienst an die Hochschule zu wechseln, zerbrachen.

Aber ich habe meine Dissertation später dann doch noch fertiggestellt, sie meiner Mutter gewidmet – und ich habe heute ein Leben, ganz nach meinen eigenen Vorstellungen.
Der fehlende Kontakt zu meinem Vater ist in den letzten zwei Jahren – fast 30 Jahre nach seinem Tod – durch das Wiederfinden von Verwandten väterlicherseits und Informationen über diesen Teil der Familiengeschichte kompensiert worden.

Ich lebe heute in dem Bewusstsein, von meiner Mutter sehr viele Eigenschaften, aber auch von der Familie meines Vaters einiges „geerbt“ zu haben, was heute meine Persönlichkeit und meinen Beruf bestimmt.

Ich habe im vorigen Jahr gemerkt, dass ich nach dem Tod meines Mannes immer wieder auch um meine Mutter getrauert habe – und auch ein wenig um meinen Vater, oder besser gesagt, um die verlorene Chance, mich mit ihm vor seinem Tod zu versöhnen. Vergeben habe ich ihm längst.

Aber meine Perspektive auf meine Mutter und das, was sie in meinem Leben bewirkt hat, hat sich erst in diesem Jahr, in dem ich nach dem Tod meines Mannes mein eigenes, glückliches Leben wiedergefunden habe, in einigen Aspekten verändert.
In meinem Blog „Leben ist Mee(h)r – Gesund und glücklich älter werden“ ist einiges darüber zu lesen.

Reply
    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Frau Dr. Forsbach, danke schön für Ihren Kommentar und die Einblicke in Ihr Leben, die Sie uns hier gewähren. Sie haben offenbar sehr gravierende Erfahrungen gemacht und beim Lesen entstand bei mir das Bild vom Netzwerk des Lebens, wo alles miteinander verwoben ist. Umso schöner, dass Sie Ihr eigenes, glückliches Leben wiedergefunden haben, in dem auch gleichzeitig Raum ist für das, was Sie „geerbt“ haben.

    Reply
Kathrin Stamm - 26. November 2015

Liebe Monika, dein Artikeltitel hat mich gerade sehr neugierig gemacht. Weil ich just (wirklich heute Mittag) einen Blogartikel über „Trotzdem lachen“ mit einem persönlichen Erlebnisbericht vom Tod meines Vaters vor zwei Jahren eingeleitet habe. Allerdings mit Fokus auf die Frage, ob man trotzdem lachen darf.
Die seelischen Qualitäten meines Vaters und was uns verbindet fühle ich seitdem mehr als vorher. In meinem Fall ist ein Stück Trennung und Urteil aufgehoben worden. Die Folge ist mehr Stolz auf meine Kreativität, die gut genährt wurde in dem Künstlerhaushalt, in dem ich groß wurde. Diesen Teil beziehe ich seitdem mehr in mein Leben und natürlich auch den Beruf mit ein. Das ist eine unglaubliche Bereicherung. Ich habe den Eindruck, die Kraft der Ahnen ausschöpfen zu können. Danke für die bereichernden Anregungen und deine Erkenntnisse sowie den Buchtipp!

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    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Kathrin, das ist wirklich eine interessante Koinzidenz. Danke erst einmal für den Hinweis auf diesen wunderbaren Artikel und auch für deinen Kommentar und die Erfahrungen, die du hier teilst. Die Kraft der Ahnen ausschöpfen zu können – das ist auch ein ganz wichtiger Aspekt. Vielleicht hat es mit dem zu tun, was ich am Ende des Artikels zitiere: Einen klareren Blick zu gewinnen auf den anderen wie auch auf sich selbst, nicht mehr abgelenkt von den alltäglichen Ereignissen, sondern mehr konzentriert auf das Wesentliche.

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Andreas K. Giermaier - 26. November 2015

Liebe Frau Birkner. Schon interessant dass Sie GERADE HEUTE diese Gedanken mit uns teilen. Es ist mein GEBURTSTAG. Auch ohne Familie. Und diese Art von Alleinsein hat nichts zu tun mit Einsamkeit. Im Gegenteil bist du dir selbst der einzige Begleiter. Der immer bei dir ist und hoffentlich kannst du ihn lieben. Schaffst es dir deine eigenen destruktiven Gedanken und Emotionen soweit in eine liebevollere Richtung zu lenken.. dass du bestenfalls auch andere (Freunde, Kollegen, Partner…) damit anzustecken. Manche würden es Spiegelneuronen nennen, andere Intuition oder „Law of Attraction. Ich weiß es nicht. Und es gelingt sicher bei weitem nicht IMMER. doch allein die Intention und die Idee im Hinterkopf des Sich beschützt fühlens (Urvertrauen) das wäre schön wenn wir da wieder und noch tiefer in unsere Gesellschaft bringen könnten. Wobei unsere „Gesellschaft“ sind wir selbst. Bin ich, bist du. Ja, du der das gerade liest. schau dir das hier an und sei (wie ich) DANKBAR dass du niemals solch Gewalt (geistig und körperlich) erleben musstest. und wenn doch: tja hör Tony Robbins zu… https://www.youtube.com/watch?v=JMBDkBny3AI
und wie du auch in den schwierigsten Situationen noch dich selbst aus dem Sumpf ziehen kannst wie Münchhausen, da verweise ich gern auf mein Gespräch mit dem Rote Nasen Mit-Gründer Roman Szeliga http://lernenderzukunft.com/mehr-erfolg-humor-im-business-roman-szeliga/ (ich hoffe das passt dass ichs verlinke, Frau B.) aber darin verkaufen wir nix 😉 außer vielleicht manch hilfreiche Lebensstrategie…

alles liebe auch an Sie liebe Frau Birkner
Ihr Andreas Giermaier

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    Monika Birkner - 26. November 2015

    Lieber Herr Giermaier, noch einmal auf diesem Wege herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und danke für Ihre interessanten Anmerkungen. Das Urvertrauen, das Sie erwähnen, ist ein wunderbarer Zustand. Es macht einen unabhängig von den äußeren Umständen. Weil man sich geborgen weiß und es immer wieder erlebt, wie in jeder Situation die Kraft da ist, sie zu bewältigen (vielleicht oft à la Münchhausen) und oft genug auch Hilfe von außen kommt, die man nicht erwartet hat oder auch gar nicht erwarten konnte. Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen recht viel davon.

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Lothar Schmidt - 26. November 2015

Liebe Monika,
ich finde es gut, dass Du das Thema für Deinen Business Blog gewählt hast. Denn der Tod gehört zum Leben. Deine Erfahrungen kann ich nur bestätigen, möchte aber gern noch anmerken, dass der Tod der Eltern nicht notwendigerweise diese Veränderung bewirkt.

Oft fühlen wir uns auch noch den Verstorbenen verpflichtet und können uns gerade nicht lösen. Aus meiner Praxis mit Geld kenne ich mehrere Fälle, wo die Witwe die Anlagen Ihres verstorbenen Gatten „in Ehren hält“ und nicht verändert, obwohl sich die Umstände längst verändert haben. Genauso Kinder, die ein Erbe „nicht anrühren“ oder noch nach elterlichen „Glaubenssätzen“ mit Geld umgehen.

Solche Gefühle der „Verpflichtung“ über den Tod hinaus, haben das Potenzial den Erfolg im Business zu beeinträchtigen. Gerade Geld-Themen haben oft eine tiefe Verwurzelung in der Familie.

Es ist gut einen Coach wie Dich zu haben, der die Sensibilität besitzt solche Zusammenhänge zu erkennen und zu thematisieren.

Herzliche Grüße
Lothar

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    Monika Birkner - 26. November 2015

    Lieber Lothar, danke schön für deinen Kommentar und diese wichtigen Aspekte. Ja, in der Tat, der Tod der Eltern bewirkt keine automatische Veränderung. Und gerade in Zusammenhang mit Geld, Erbschaft usw. sind alle möglichen Aspekte im Spiel, die auch zu den von dir beschriebenen Phänomenen führen können.

    Ich finde sehr wichtig, dass noch viel mehr über diese Zusammenhänge gesprochen wird und die Menschen auch Unterstützung erhalten, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und bewusst entscheiden zu können, wie sie in Zukunft verfahren, statt aus einem Verpflichtungsgefühl heraus möglicherweise gar keine andere Wahl zu sehen. Gut, dass es Geldcoaches wie dich gibt.

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J. Florence - 26. November 2015

Liebe Frau Birkner,
das ist ein ganz toller Artikel und ein Thema, das für viele tabu ist, weil sie ja erwachsen sind. Viele merken gar nicht, wie sehr sie bis ins hohe Erwachsenenalter noch mit ihren Eltern verbunden sind, auch wenn diese weit wegwohnen.
Ich sehe das ganz klar bei Bekannten, deren Eltern noch leben und bei solchen, die plötzlich vom Tod eines Elternteils betroffen sind. Meine Mutter ist gestorben, als ich 32 war und in meinem Umfeld war ich da die einzige. Die meisten dachten, das wäre keine große Veränderung, denn man ist ja kein Kind mehr… Es hatte aber schon alleine deshalb große Auswirkungen, weil nun ja mein Vater alleine war.
In der Zwischenzeit sehe ich wie viele meiner Generation immer noch sehr an ihren Eltern hängen, obwohl sie doch meinen, sie wären vollständig losgelöst und eingenständig und doch machen sie immer noch das, was ihre Eltern wünschen und vorgeben. Wenn auch oft sehr unbewusst.
Die Ablösung erfolgt jedenfalls nicht automatisch, nur weil man erwachsen, also ca.25 Jahre alt ist, einen Beruf ergreift und weit weg wohnt. Viele haut der Tod eines Elternteils noch um, auch wenn sie selbst schon über 60 sind. Ich denke da an die Schauspielerin Cornelia Froboess, die in psychiatrische Behandlung musste, als ihre Mutter starb, obwohl diese wirklich schon sehr alt war.
Was alles für Prozesse mit einem innerlich abgehen, wenn ein Elternteil gestorben ist, können wirklich nur die Menschen nachvollziehen, die es schon erlebt haben.
Bei mir hatte der Tod meiner Mutter keine großen Auswirkungen auf den Beruf, da ich da keine Vorgaben bekam. Aber es war wirklich ein sehr großer Einschnitt, den andere so nicht nachvollziehen können.
Also ich freue mich sehr, dass sie so ein Thema aufgegriffen haben, das für viele eher nebensächlich oder eben tabu zu sein scheint.
Viele Grüße, J. Florence

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    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Frau Florence, ganz herzlichen Dank für Ihre Worte.Ich glaube, es liegt einfach in der Natur der menschlichen Entwicklung, dass man noch lange Zeit mit den Eltern verbunden oder an sie gebunden ist. Da ist ja auch ganz viel Unbewussstes im Spiel. Die Ablösung erfolgt daher in der Tat nicht automatisch, sondern ist ein Entwicklungsprozess.

    Das Sterben der Eltern – und möglicherweise auch die dem oft vorausgehende Krankheitsphase – kann daher innerlich ganz schön durcheinander wirbeln, ganz egal, welches Lebensalter man selbst schon erreicht hat.

    Ich freue mich sehr, dass der Artikel Sie anspricht und Sie hier Ihre Erfahrungen einbringen.

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gudrun otten - 26. November 2015

Guten morgen Frau Birkner,

vielen Dank für diesen bewegenden Beitrag, den ich heute morgen gelesen habe. In meinem innersten ein grosses „ja“ zu jedem einzelnen Punkt. Ich selbst bin in einem Prozess tiefer Veränderung, wie Sie ja wissen, und ich spüre sehr, wie meine Eltern und das ganze Familiensystem meinen beruflichen Weg beeinflusst und geprägt haben.

Bei mir ging es wohl in erster Linie um das Thema „Zugehörigkeit“. Meine Berufswahl war geleitet von dem Gedanken nicht zu weit vom Rudel zu gelangen. Was zählte waren nicht in erster Linie meine Talente und Fähigkeiten, sondern ich habe eine Auslese getroffen von möglichen Berufswegen, die mich nicht so weit von meiner Familie wegbringen würden.

Erst nach dem Tod meiner Mutter vor zwölf Jahren konnte ich beginnen mir Gedanken darüber zu machen, was denn eigentlich ich wirklich will und kann in meinem Leben. Das hat eine Kette von tiefgreifenden Veränderungen nach sich gezogen. Dieser Weg ist auch noch nicht zu Ende.

Unsere Arbeit zeigt langsam Wirkung. Es ist, als ob sich mein ganzes Inneres noch einmal neu zusammensetzt. Ich freue mich, dass wir diese Arbeit begonnen haben und in diese Tiefe gehen konnten. Das zeichnet Ihre Arbeit aus und es ist faszinierend, dass wir, ohne uns persönlich zu kennen, eine solche Nähe herstellen konnten. Dafür nochmal ein „danke“ an Sie.

Ich bin sehr gespannt auf Ihre und auch meine weiteren Entwicklungen und freue mich über unseren Kontakt. Der Reissverschluss öffnet und schliesst sich inzwischen immer besser!

Ich wünsche Ihnen einen gelungenen Tag und freue mich, dass ich immer wieder etwas aus Ihrem Sein in meine Apotheke bekomme.

Gudrun Otten

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    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Frau Otten, ich danke Ihnen ganz herzlich für die Einblicke, die Sie hier geben und die schönen Worte, die Sie dafür finden und freue mich sehr, dass der Reissverschluss sich immer besser öffnet und schließt (was das bedeutet, bleibt unter uns).

    Mein Respekt auch davor, dass Sie sich auf diesen tiefen Prozess eingelassen hat, der nun weiter wirken kann und es offenbar ja auch tut. Und auch in bin gespannt auf die weiteren Entwicklungen, die sich noch daraus ergeben.

    Danke schön für das Teilen Ihrer Erfahrungen.

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Claudia Hümpel - 26. November 2015

Liebe Monika, wenn ich es in den vergangenen 13 Monaten nicht selbst erlebt hätte, wäre ich über deinen Blogartikel vermutlich einfach mit einem Kopfschütteln hinweg gegangen.
Aber ich selber habe es genau so erlebt und das, obwohl „nur“ ein Elternteil, nämlich mein Vater, gestorben ist und meine Mutter noch lebt.
Die Tragweite hat sich mir eigentlich erst im Rückblick auf dieses letzte Jahr gezeigt und mein damit verbundener Prozess der Redirection und Rejuvenation ist noch nicht abgeschlossen.
Ich danke dir für diesen wunderbaren Blogartikel, der mir noch einmal weitere Denkanstöße gegeben hat.
Voradventliche Grüße aus Wien
Claudia

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    Monika Birkner - 26. November 2015

    Liebe Claudia, danke schön. Mich berührt es sehr, dass du diese Erfahrungen selbst gemacht hast und ich freue mich, dass du für deinen Prozess weitere Denkanstöße bekommen hast.

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