Birkner Als Solopreneur dein Business verkaufen

Als Solopreneur dein Business verkaufen? Interview mit Nils Koerber

Als Solopreneur dein Business verkaufen – schon mal darüber nachgedacht? Das Kurz-Interview mit Nils Koerber, Spezialist für Unternehmensnachfolge, zeigt dir, worauf es ankommt.

Das Interview hatte per Telefon stattgefunden. Dieser Beitrag fasst die wesentlichen Punkte zusammen.

I. Themen des Interviews

  • Was macht ein Solo-Unternehmen verkaufsfähig?
  • Worauf ist bei der Vorbereitung zu achten?
  • Welcher Verkaufspreis ist realistisch?
  • Welche Illusionen gilt es, frühzeitig aufzugeben, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden?

Wer weiß, worauf es beim Unternehmensverkauf ankommt, kann frühzeitig die Weichen stellen, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

II. Weshalb sich dieses Interview für dich lohnt

  • Es gibt grundlegende Orientierung zur Frage, welche Chancen du hast, als Solo-Unternehmer dein Business zu verkaufen.
  • Es räumt auf mit bestimmten Mythen in Zusammenhang mit Unternehmensverkauf.
  • Es geht speziell auf die Situation von Solo-Unternehmern ein.

Ich kann nur jedem Solo-Unternehmer empfehlen, dieses Interview sehr aufmerksam zu lesen. Die Tipps aus diesem Interview können einen Unterschied von Tausenden oder gar Zehntausenden von Euro für dich ausmachen.

An der einen oder anderen Stelle mögen die Erkenntnisse im Moment weh tun. Doch besser jetzt als später.

Denn jetzt hast du noch die Möglichkeit, das Ruder herumzuwerfen und einen günstigeren Kurs einzuschlagen. Und falls du schon auf dem richtigen Weg bist, erkennst du vielleicht noch Optimierungs-Potenzial.

III. Kurze Vorstellung von Nils Koerber

Ich freue mich, für dieses Interview Nils Koerber gewonnen zu haben.

Nils Koerber ist ein ausgewiesener Experte in Sachen Unternehmensnachfolge. , der außerdem viel eigene unternehmerische Erfahrung vorzuweisen hat. Er kennt Nachfolgeprozesse aus eigener Erfahrung.

2004 gründete er die KERN-Berater-Gruppe. Das Unternehmen wurde mittlerweile mehrfach ausgezeichnet, u.a. im Rahmen des wissenschaftlichen basierten Wettbewerbs Top-Consultant als TOP-Consultant sowie als Beste Berater für den Mittelstand von der Wirtschaftswoche.

Nils Koerber ist außerdem zertifizierter Coach und Trainer für Nachfolgeprozesse in Familienunternehmen, ausgebildeter Mediator (Wirtschaftsmediation) und Konfliktmoderator sowie Coach für THE WORK. Er coacht Übergeber und Übernehmer und ist außerdem als Keynote Speaker zum Thema Unternehmensnachfolge und Generationenwechsel.

Mittlerweile hat er auch ein Buch veröffentlicht: Unternehmensnachfolge. Die Kunst des Loslassens.

IV. Das Interview

Herr Koerber, Sie haben schon an vielen Unternehmensverkäufen mitgewirkt. Welchen Rat würden Sie einem (Solo-) Unternehmer geben, um sein Unternehmen frühzeitig auf einen möglichen Verkauf vorzubereiten?

Das Hauptaugenmerk eines Erwerbers ist „Wie kann ich das Unternehmen in eine gute und sichere Zukunft führen, wenn der eigentliche Inhaber – vielleicht eine One-Man-Show – nicht mehr da ist?“

Der Inhaberwechsel ist ein enormer Bruch. Ein bisschen lässt er sich möglicherweise abfedern, wenn der bisherige Inhaber noch für 2 – 3 Jahre zur Verfügung steht. Das mag in einigen Fällen gut gehen. Doch ich kenne auch Fälle, in denen es dermaßen schief geht, dass die beiden sich richtiggehend in die Haare kriegen. Denn letztlich spielt immer der Faktor Mensch eine Rolle.

Von daher ist das Wichtigste „Wie kann ich einem Erwerber glaubwürdig vermitteln, dass der Know-how-Transfer klappt und er alles das, was ich bisher alleine geschafft habe, kennt und nutzen kann?“

Dabei ist eine gute Dokumentation wichtig. Ohne Dokumentation geht gar nichts. Ich muss dem Erwerber nachweisen können, dass ich alles perfekt organisiert habe und Strukturen, Prozesse usw. so sinnvoll archiviert sind, dass ein Fremder sich gut zurecht findet. Die moderne Elektronik hilft dabei schon sehr.

Wichtig ist, dass der Erwerber dem vertrauen kann, was er vorfindet. Wenn dieses Vertrauen fehlt, können Sie einen Verkauf grundsätzlich abhaken.

Ideal ist es natürlich, wenn es eine Stellvertreter-Ebene gibt, die auch nach dem Inhaberwechsel zur Verfügung steht. Das ist sicherlich eine ganz schöne Herausforderung, denn es kostet ja Geld, Leute einzustellen. Gleichzeitig ist es das Wichtigste, was ein Erwerber beachten wird.

Interessant sind natürlich immer die Geschäftsmodelle, besonders dann, wenn sie skalierbar sind, also weiteres Wachstum ermöglichen, ohne dass der Aufwand in gleichem Maße ansteigt. Selbst wenn man nur an einer oder zwei Stellen damit begonnen hat, kann das dem Erwerber Vertrauen vermitteln.

„Wie kann ich das Unternehmen in eine gute und sichere Zukunft führen, wenn der eigentliche Inhaber – vielleicht eine One-Man-Show – nicht mehr da ist?“ – Nils Koerber

Sie sprachen auch die wertmäßige Betrachtung an

Ja, genau. Die wertmäßige Betrachtung bedeutet, nicht nur auf den Steuerberater zu hören und ausschließlich auf Steueroptimierung zu setzen.

Selbst wenn ich kurzfristig die Steuern senken kann, indem ich alles in die Kosten gebe, ist das nachher nicht viel wert, denn dadurch sinkt der Preis im Falle des Verkaufs und ich verliere letztlich mehr, als ich vorher an Steuerersparnis habe.

Was ich einem Unternehmer raten würde: Schon einige Jahre vorher mehr auf den Ausweis von Gewinnen zu achten, statt die Kosten hochzutreiben.

Die Problematik von ausschließlicher Steuerorptimierung

Wie wird denn der Unternehmenswert ermittelt und welche Rolle spielen dabei die Gewinne?

Für die Ermittlung des Unternehmenswertes ist das sogenannte Ertragswertverfahren relevant. Ich will das hier gar nicht im Einzelnen erläutern, sondern eine Faustformel geben, die eine gute Orientierung ermöglicht.

Bei einem super aufgestellten Mittelständler, der über Jahre hinweg eine nachhaltige Gewinnsituation aufweist und eine zweite Führungsebene etabliert hat, kann man ganz grob den Gewinn vor Steuern mit dem Faktor 6 multiplizieren.

Bei Einzelkämpfern und kleineren Unternehmen trifft das alles ja in der Regel nicht zu. Hier dürfte eher ein Faktor 2 oder 3 in Betracht kommen, mit dem der Gewinn vor Steuern multipliziert wird.

Da komme ich dann wieder auf das zurück, was ich vorhin sagte: Wenn ich – auch bei einem Kleinunternehmen – den Gewinn vor Steuern mit 2 oder 3 multipliziere, ist das immer noch mehr wert als das, was ich andernfalls vielleicht an Steuern gespart hätte.

Faustformel für den Unternehmenswert

Viele meiner Blogleser sind nicht nur Solo-Unternehmer, sondern auch Dienstleister ohne Maschinenpark oder dergleichen. Wie ist der Wert von immateriellen Gütern wie zum Beispiel einer Marke einzuschätzen?

Ich bin überzeugt, dass Dienstleistungen speziell in Deutschland eine grandiose Zukunft haben und auch grundsätzlich für einen Verkauf geeignet sind. Patente, Domainnamen, Namensrechte usw. können dabei eine besondere Rolle spielen, besonders in Zusammenhang mit skalierbaren Geschäftsmodellen.

Doch das funktioniert nur, wenn auch der Erfolg da ist. Und den muss ich in Zahlen schwarz auf weiß transparent machen.

Wenn wir von Marken sprechen, müssen sie so eine Bedeutung im Netz haben – nachvollziehbar zum Beispiel am Traffic -, dass sie für einen Nachfolger etwas wert sind.

Wenn es gelingen soll, dann gehört dazu sehr professionelles Marketing, so dass auch über Google Analytics und Ähnliches bewiesen werden kann, dass dieses Unternehmen einen echten Bonus hat.

In der Praxis sind das bisher eher Ausnahmefälle.

Den Erfolg schwarz auf weiß belegen können

Herzlichen Dank, Herr Koerber, für das Interview. Wo können diejenigen, die sich tiefer mit der Materie beschäftigen wollen, mehr erfahren?

Anmerkung von mir: Seit dem Interview hat die KERN-Gruppe ihren enormen Schatz an wertvollen Ressourcen noch wesentlich erweitert. Auf der Website findest du u. a.

Falls du über weitere Beiträge, Interviews etc. informiert werden möchtest, abonniere am besten meinen Business Transformation Letter.

Das Interview erschien erstmals am 06.10.2014 in diesem Blog. Letztes UPDATE am 03.07.2020.


Bildquellennachweise:

Nils Koerber: Nils Koerber

Buchcover: Vandenhoeck & Ruprecht

Beitragsbild: hahnsinn – Büro für Design & Webentwicklung