Weniger Entscheidungen

Haben Sie sich schon einmal dabei ertappt, stundenlang im Netz oder bei Facebook gesurft haben, ohne das eigentlich vorgehabt zu haben? Gibt es Punkte auf Ihrer To-do-Liste, die Sie von einem Tag auf den anderen schieben?

Solche und ähnliche Situationen führen schnell dazu, sich der Disziplinlosigkeit oder Willensschwäche zu bezichtigen. Mit der Zeit führt das zu einer Erosion des Selbstwertgefühls.

Was wäre, wenn nicht mangelnde Disziplin oder Willenskraft die Ursachen waren, sondern dass Ihr Reservoir an Entscheidungskraft erschöpft war?

Könnten Sie dann liebe- und verständnisvoller mit sich selbst umgehen?

Würden Sie dann eher nach Lösungen suchen, statt sich durch Ihre Selbstkritik noch mehr herunterzuziehen?

Das Phänomen der Entscheidungsmüdigkeit („Decision Fatigue“)

Entscheidungen zu treffen, macht müde.  Entscheidungsmüdigkeit („Decision Fatigue“)  nennt sich dieses Phänomen, das sogar Eingang in die Wissenschaft gefunden hat und zum Gegenstand verschiedener Studien wurde.

Die Hypothese dahinter ist – vereinfacht ausgedrückt -, dass Ihr Gehirn nur ein begrenztes Energiebudget zur Verfügung hat und für jede Entscheidung davon abbucht.

Als Folge davon ist die Fähigkeit zur SELBSTREGULATION beeinträchtigt.

Im Klartext:

Sie tun Dinge, die Sie nicht tun wollten, und Sie unterlassen Dinge, die Sie sich vorgenommen hatten.

Jeder von uns kennt solche Situationen.

Wenn sie häufiger vorkommen, kann das fatale Konsequenzen haben: sowohl für das eigene Selbstbild und Selbstwertgefühl als auch für das Business.

Grund genug also, sich mit diesem Phänomen zu befassen und nach Wegen zu suchen, die Entscheidungskraft ökonomisch einzusetzen.

Wie Sie weniger Entscheidungen treffen

Wenn zu viele Entscheidungen zu Entscheidungsmüdigkeit führen, ist der naheliegende Schluss, die Anzahl der Entscheidungen zu reduzieren. Doch als Solo-Unternehmer sind Sie täglich gezwungen, viele Entscheidungen zu treffen. Sie können nicht einfach auf die Stopp-Taste drücken.

Die Kunst besteht also eher darin, weniger von den unwichtigen, aber Energie fressenden Entscheidungen zu treffen, so dass mehr Kapazität für das Wesentliche bleibt.

In den 90-Tage-Projekten mit meinen Klienten ist das in der Regel ein wichtiges Thema. Zum einen fokussieren wir auf nur wenige Projekte, in der Regel nicht mehr als drei. Darüber hinaus ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für die Erreichung der Ziele zu schaffen.

Hier sind ein paar Anregungen dafür.


Tipp Nr. 1: Richtiges Timing

Treffen Sie wichtige Entscheidungen, solange Sie noch frisch sind, und vermeiden Sie es, sich schon am frühen Morgen unnötig zu verausgaben.

Der oft gehörte Tipp, das Wichtigste zuerst zu erledigen und erst dann die Mails zu bearbeiten, erscheint damit in neuem Licht. Denn Mails zu bearbeiten, erfordert eine Vielzahl an Mini-Entscheidungen. Wenn Sie sich danach müde fühlen, ist das darauf zurückzuführen, und es kann zur Folge haben, dass das Wesentliche zu kurz kommt.

Also: Das Wichtigste zuerst und der Entscheidungsmüdigkeit zuvorkommen.


Tipp Nr. 2: Vorstrukturierung Ihrer Zeit

Feste Zeiten für regelmäßige Aktivitäten (Marketing, Buchhaltung usw.) lassen diese zu einer Gewohnheit werden.

Ein Wochenmasterplan stellt sicher, dass alle wichtigen Aktivitäten Raum finden, idealerweise zu vorher definierten Zeiten. Und auch, dass Sie nicht ständig an alles denken müssen, sondern nur an das, was gerade anliegt.

Ein vorstrukturierter Tag hilft dabei, produktiver zu werden. Denn Sie brauchen nicht ständig neu zu entscheiden, was als Nächstes kommt und wie viel Zeit Sie dem widmen.  Das erspart eine Menge an überflüssigen Entscheidungen.

Auch Zeitbudgets können hilfreich sein, beispielsweise einen Timer zu stellen, bevor Sie bei Facebook aktiv werden.

Also: Struktur als Entscheidungshilfe.


Tipp Nr. 3: Entscheidungskriterien schaffen

Welche Aufträge nehmen Sie an? Welche lehnen Sie ab? Mit welchem Dienstleister arbeiten Sie zusammen? Wieweit sind Sie bereit, über Ihre Preise zu verhandeln und wo ist Ihre Stopp-Linie? Wie oft und wann erscheint Ihr Newsletter? Welche Themen nehmen Sie auf und welche Themen lassen Sie außen vor?

Definierte Entscheidungskriterien im Vorfeld erleichtern Ihnen Entscheidungen im Einzelfall. Das kann zum Beispiel ein schriftliches Anforderungsprofil sein oder ein Redaktionskalender für Ihr Content Marketing (Blog, Podcast etc.).

Also: Grundsatzentscheidungen vorab.


Tipp Nr. 4: Systematisierung Ihres Business

Checklisten, Prozessbeschreibungen, automatisierte Abläufe – alles das trägt dazu bei, dass Sie sich einmal grundlegend Gedanken machen und Entscheidungen treffen und diese danach einfach „abgearbeitet“ werden können.

Darüber hinaus tragen sie zur Qualitätssicherung bei und können außerdem im Falle eines Unternehmensverkaufes den Know-how-Transfer unterstützen.

Also: Nicht immer wieder bei null beginnen.


Tipp Nr. 5: Routinen und Rituale

Besonders hoher Entscheidungsaufwand ist nötig, um den Anfangswiderstand zu überwinden, ob es um die Arbeit am Buch, Akquise-Anrufe oder ähnliche Aktivitäten geht.

Durch Routinen und Rituale kommen Sie schneller in die Gänge. Feste Orte, feste Zeiten, bestimmte Utensilien, eine regelmäßige Abfolge von kleinen Schritten – alles das kann hilfreich sein.

Besonders interessant ist das „Stapeln“ von Gewohnheiten. Zum Beispiel bei jeder Schreibtischpause ein Glas Wasser trinken, sich etwas bewegen und frische Luft hereinlassen.

Also: Mehreres auf einen Streich.


Wie Sie bessere Entscheidungen treffen

Sich weniger mit unwichtigen Entscheidungen zu belasten, schafft Raum für die wichtigen Entscheidungen. Nämlich für die Entscheidungen, die Ihr Business voranbringen. Für die Entscheidungen, die Weichen stellen für die Zukunft. Für die Entscheidungen, die dazu beitragen, Ihre Vision und Ihre Ziele zu verwirklichen.

Ihre persönliche Zufriedenheit, Ihr Einkommen, die Verkaufsfähigkeit Ihres Unternehmens – alles das hängt von Ihrem Umgang mit Entscheidungen ab. „Weniger ist mehr“ kann auch in dieser Hinsicht eine gute Maxime sein.

Um die Qualität Ihrer Entscheidungen zu verbessern, eignet sich das einfache Entscheidungstool, das ich in einem früheren Blogbeitrag vorgestellt habe. Nutzen Sie es so oft wie möglich und fragen sich:

  • Wie dient das, worum es geht, meinen Kunden?
  • Wie dient es mir selbst?
  • Wie dient es meinem Business?
  • Wie dient es einem potenziellen Erwerber meines Unternehmens?

So kommen Sie sehr schnell zu einem Rundumblick und ausgewogenen Entscheidungen.

Als Solo-Unternehmer ist Ihre Energie Ihre wichtigste Ressource. Ihr Umgang mit Entscheidungen trägt maßgeblich dazu bei, wie viel Energie Ihnen zur Verfügung steht für das, was wirklich wesentlich ist. Und auch zu einem realistischen Selbstbild. Denn was wie ein Mangel an Disziplin oder Willenskraft aussieht, kann seine Ursache darin haben, dass Sie Ihre Entscheidungsenergie vorab schon verausgabt haben.

Wo können Sie sofort ansetzen, um Ihren Umgang mit Entscheidungen zu verbessern?

Bildquellennachweis: Pixabay

Danke fürs Teilen:-)
Monika Birkner
 

Monika Birkner unterstützt erfahrene Solopreneure, ein verkaufsfähiges Business zu schaffen und dadurch bereits kurzfristig erfolgreicher zu werden. Sie verbindet ganzheitliche Strategie mit den Systemen zur Umsetzung. In ihrem Blog und ihren Podcasts zeigt sie neue Perspektiven auf, wie Solopreneure anders an ihr gesamtes Business und alle Einzelthemen herangehen können. Für ihre Kunden bietet sie 1:1-Coaching, Membership-Programme und Online-Kurse. Mehr auf der Seite: https://MonikaBirknerFreedomBusiness.de

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Ulrike Scheuermann - 20. April 2015

Liebe Frau Birkner,
vielen Dank wieder einmal für diesen wertvollen Beitrag!
Ich arbeite als Schreibcoach mit Berufstätigen/(angehenden)SachbuchautorInnen und WissenschaftlerInnen – da sind genau diese Entscheidungen ein Dauerthema:
Beim Schreiben trifft man ständig kleine und größere Entscheidungen: welches Wort, welcher Satz, welche Botschaft? Wenn dieser Prozess vorher schon mit Entscheidungen über E-Mails überlastet ist, geht eben das Schreiben nicht mehr gut.
Ich empfehle deshalb ständig das Schreiben am Morgen VOR allen anderen Arbeitstätigkeiten.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in einen wesentlichen Tag
Herzliche Grüße, Ulrike Scheuermann

Reply
    Monika Birkner - 20. April 2015

    Liebe Frau Scheuermann, danke für Ihren Beitrag aus der Praxis. Ich kann diese Erfahrung bestätigen, schreibe ich ja auch sehr viel. Meine beste Zeit dafür ist der frühe Morgen.

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Dorothea Driever-Fehl - 18. April 2015

Dieses Mal den Newsletter aus Zeitmangel nicht wegzuklicken hat sich für mich echt gelohnt! Ich bin seit längerem erschöpft und viel unter Zeitdruck, was dazu geführt hat, dass ich unstrukturierter geworden bin. Da ich mich mit Entscheidungen eh oft schwer tue, ist es mit Sicherheit eine sehr gute Idee, die Menge der Entscheidugen zur reduzieren. Noch einmal ein neuer Blick auf „alte Probleme“… Vielen Dank, Frau Birkner!

Reply
    Monika Birkner - 19. April 2015

    Liebe Frau Dr. Driever-Fehl,

    das freut mich sehr, dass sich der Impuls, den NL zu öffnen, gelohnt hat. Ich bin immer wieder positiv überrascht, welche Potenziale es noch gibt, die eigenen Arbeitsweisen zu verbessern. Auf Ihre Erfahrungen bin ich schon gespannt.

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