Immer wieder höre ich Aussagen wie „Ich finde nicht die Zeit, an meinem Premium-Produkt (oder: Online-Business, Buch, Marketing, Unternehmen….) zu arbeiten.“

Daher will ich heute auf vier verschiedene Strategien eingehen, die sich individuell anpassen und auch untereinander kombinieren lassen.

Für mich selbst haben diese sich als wirklich segensreich erwiesen, denn ich war selbst aus dem Takt gekommen.

Ich war selbst aus dem Takt gekommen

In der Regel schaffe ich es ganz gut, genug Zeit zu finden für die Arbeit an meinem Business und meinen Produkten.

Doch in letzter Zeit war ich aus dem Takt gekommen. Aufgrund vieler Kunden- und sonstiger Gesprächstermine sowie einiger persönlicher Angelegenheiten war mein Kalender zwar voll, aber bestimmte strategische Aktivitäten kamen zu kurz.

So sollte es definitiv nicht bleiben.

….da stieß ich auf „Deep Work“ von Cal Newport

Wenn man sich entschließt, etwas zu ändern, kommt auch Unterstützung.

In meinem Fall war es das Buch Deep Work von Cal Newport. Mittlerweile ist es auch auf Deutsch erhältlich.

Aus diesem Buch stammen die vier Strategien, die ich gleich vorstellen will.

Mich haben sie sehr inspiriert. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich.

Cal Newport bezeichnet sich in seinem Study Hacks Blog als einen Professor der Computerwissenschaft, der darüber schreibt, wie man im digitalen Zeitalter und in einer Welt voller Ablenkungen produktive, wertvolle und bedeutungsvolle Arbeit verrichten kann.

Das sprach mich sehr an. Also vertiefte ich mich in sein Buch.

Erster Gewinn: Neue Motivation, Zeit für meine „Deep Work“ zu schaffen

Der erste Gewinn aus dem Buch bestand darin, mich neu mit meiner Motivation zu verbinden.

Das liegt daran, dass Cal Newport ein ausgesprochener Verfechter von dem ist, was er als „Deep Work“ bezeichnet.

Was meint er damit? Er versteht „Deep Work“ als Gegensatz zu „Shallow Work“.

1. „Deep Work“

Professionelle Aktivitäten, die in einem fokussierten, ablenkungsfreien Zustand tiefer Konzentration verrichtet werden, einen über die Grenzen des bisherigen Denkens hinausführen, Wert schaffen, die eigenen Fähigkeiten verbessern und schwer nachzuahmen sind.

2. „Shallow Work“

Aktivitäten, die kognitiv wenig anspruchsvoll sind, oft in einem abgelenkten Zustand verrichtet werden, wenig Wert schaffen und leicht zu replizieren sind.

3. In anderen Worten und übertragen auf Solopreneure:

„Deep Work“ ist das, womit Sie Ihre Einzigartigkeit ausdrücken, wahren Wert schaffen und sich von anderen abheben.

4. Was „Deep Work“ für mich bedeutet

Für mich gehört definitiv dazu, mein Wissen und meine Erfahrungen zu systematisieren und zu materialisieren und sie in Form von Premium-Produkten der Welt zur Verfügung zu stellen oder auch in Form kostenloser Informationen wie zum Beispiel Blogposts, Podcasts etc. .

Ich merke immer wieder, wie mir das hilft, die Themen tiefer zu durchdringen und Wege zu finden, dass auch andere daraus Gewinn ziehen können.

Ein häufiges Feedback ist beispielsweise, wie meine Struktur und Systematik hilfreich sind, selbst ins Tun zu kommen und Schritt für Schritt zu den gewünschten Ergebnissen zu gelangen, zum Beispiel zum eigenen Premium-Produkt.

Ohne das kann ich meine langfristige Mission nicht verwirklichen, ein Gesamtsystem zu schaffen, wie Solo-Unternehmer zu einem verkaufsfähigen Business kommen.

Und auch für die Verkaufsfähigkeit meines eigenen Unternehmens ist das wichtig.

5. Was bedeutet „Deep Work“ für Sie?

Vielleicht gehören Sie zu den Solo-Unternehmern, die etwas Wertvolles in die Welt bringen möchten, ob eine Botschaft, ein Buch, Premium-Produkte verschiedenster Art. Die vielleicht sogar ein Lebenswerk schaffen möchten.

Das gelingt nicht, wenn man sich von außen treiben und ständig ablenken lässt und alle paar Minuten schaut, was es Neues auf Facebook gibt.

„Deep Work“, was auch immer das in Ihrem Fall bedeuten mag, ist unumgänglich.

Tipp: Bevor Sie sich überlegen, welche der folgende Strategien für Sie am sinnvollsten ist, fragen Sie sich, was „Deep Work“ für Sie bedeutet.

Die vier Strategien von Cal Newport und wie Sie diese als Solopreneur nutzen

Cal Newport zeigt vier Strategien auf, um die nötige Zeit für „Deep Work“ zu finden.

Für jede Strategie nennt er ein bekanntes Beispiel.

Ich zitiere sie hier in anderer Reihenfolge als er, weil sie für Solo-Unternehmer nicht alle in gleicher Weise umzusetzen sind. Außerdem kommentiere ich anhand meiner eigener Erfahrungen. Die Begriffe in Klammern sind die Originalbegriffe von Cal Newport. Zunächst kurz der Überblick, dann die Details.

  • Rhythmisch (Rhythmic): Die Kette nicht unterbrechen
  • ​Abwechselnd: Bimodal
  • Klösterliche Abgeschiedenheit: Monastic
  • Das journalistische Modell: Journalistic

Strategie Nr. 1: Rhythmisch(Rhythmic): Die Kette nicht unterbrechen

Hier geht es darum, die Arbeit am Business, wie immer sie sich im Einzelfall darstellt, zu einer regelmäßigen Gewohnheit zu machen.

Der „Trick“ besteht darin, die Kette nicht zu unterbrechen.

Denn wenn man den Rhythmus einmal verlässt, dauert es oft unverhältnismäßig lange, ihn wieder aufzunehmen. Das gilt auch in anderen Bereichen wie zum Beispiel Fitness, Ernährung und mehr.

a) Für wen sich diese Strategie eignet:

Diese Strategie eignet sich besonders für alles, was regelmäßig erfolgt, zum Beispiel

  • täglich x Worte für sein Buch zu schreiben
  • jede Woche einen Blogpost zu veröffentlichen
  • täglich 30 Minuten für die Arbeit am Business zu verwenden.

Der regelmäßige Rhythmus sorgt dafür, dass die Zeiten eingehalten werden und möglichst gut genutzt werden.

b) Beispiel

Ein bekanntes Beispiel dafür ist der amerikanische Komiker Jerry Seinfeld.  Einmal wurde er  von einem Nachwuchsmann nach Tipps gefragt.

Er erzählte, dass er täglich Witze schrieb und auf einem Wandkalender jeweils ein rotes Kreuz machte für die Tage, an denen er das tut.

Je länger die Kette roter Kreuze wurde, desto weniger war er geneigt, diese Kette zu unterbrechen.

c) Wichtiger Erfolgsfaktor:

Wie sich am Beispiel von Jerry Seinfeld zeigt, ist eine Visualisierung sehr hilfreich für diese Strategie, idealerweise an einem Ort, der in Ihrem Blickfeld liegt.

Das kann natürlich auch ein elektronisches Tracking-System sein oder irgend etwas, das für Sie funktioniert.

Strategie Nr. 2: Abwechselnd (Bimodal)

Für diese Strategie nennt Cal Newport C. G. Jung als Beispiel. 

Der Begründer der analytischen Psychologie betrieb eine emsige Privatpraxis in Zürich, unterrichtete an der Hochschule, nahm an der Kaffeehaus-Kultur teil, die sich in gewisser Weise als Vorläufer der Vernetzung durch Social Media verstehen lässt.

Mit anderen Worten: Er führte ein ziemlich ähnliches Leben wie viele Solo-Unternehmer.

Wie gelang es ihm, trotzdem eine führende Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts zu werden und einen Gegenpol zu den Theorien von Siegmund Freud aufzubauen?

Newport führt es darauf zurück, dass C.G. Jung in seinem Turm in Bollingen die Ruhe fand, um sein eigenes Konzept zu entwickeln und wichtige Werke dort zu schreiben.

Auch von anderen Größen ist bekannt, dass sie sich zeitweise für ihre „Deep Work“ aus dem Alltagsgeschäft zurückzogen:

  • J. K. Rowling für den Abschluss ihrer Harry Potter Serie in ein luxuriöses Hotel (im Buch erwähnt)
  • Bill Gates für seine „Think Weeks“ in einem Haus, wo er eine Woche lang allein blieb
  • sonstige Autoren, die in einem Ferienhaus oder Hotel an ihren Büchern schreiben.

a) Für wen sich diese Strategie eignet:

Diese Strategie ist ideal, um längere Zeit am Stück zu finden.

Sie lässt sich auch kombinieren mit der Regelmäßigkeit.

Als ich vor vielen Jahren mein Buch „Kurswechsel im Beruf“ schrieb, habe ich die ersten Entwürfe in kleineren täglichen Zeiteinheiten geschrieben.

Für die letzte Fassung habe ich mich dann 10 Tage komplett aus allem zurückgezogen, die Mails auf Autoresponder-Antworten eingestellt und meinen damaligen Telefondienst instruiert, dass ich nicht erreichbar sei.

Gerade diese Kombination hat sich für mich als ideal erwiesen. So konnte ich das Buch langsam entstehen lassen und dann zum Schluss sehr intensiv und fokussiert noch einmal tief eintauchen und es noch einmal komplett überarbeiten.

In den letzten Jahren habe ich viel die Regelmäßigkeit gepflegt.

Derzeit experimentiere ich, wie ich mir längere Zeiteinheiten schaffen kann, um mich wirklich in ein Thema zu vertiefen und etwas Größeres zum Abschluss zu bringen.

b) Wichtiger Erfolgsfaktor:

Ein Ortswechsel kann sehr hilfreich sein, ist aber kein absolutes Muss, wie sich an meinem eigenen Beispiel zeigt.

Wenn man im üblichen Umfeld bleibt, ist es allerdings umso wichtiger, alle Ablenkungen von vornherein zu eliminieren.

„Nur mal eben“ die Mails zu lesen oder bei Facebook vorbeizuschauen, bedeutet das Risiko, ganz aus dem Fluss herauszukommen.

Strategie Nr. 3: Klösterliche Abgeschiedenheit (Monastic)

Dieses Modell dürfte für die meisten Solo-Unternehmer schwer zu praktizieren sein.

Doch vielleicht gibt es Ausnahmen.

Es geht darum, sich so weit wie möglich von der Außenwelt abzuschotten, zum Beispiel nicht in den Social Media aktiv zu sein, die Mail-Adresse nicht bekannt zu geben und sonstige Maßnahmen zu ergreifen, um „Deep Work“ zu vollbringen.

  • Donald Knuth ist ein berühmter Computerwissenschaftler. 1990 teilte er mit, keine Mailadresse mehr zu benutzen, und scheint das bis jetzt durchzuhalten.
  • Science Fiction Autor Neal Stephenson gibt auf seiner Website seine Mailadresse nicht bekannt. In diesem Beitrag begründet er, warum er meint, seinen Lesern mehr Wert zu bieten, wenn er sich auf das Schreiben konzentriert, statt E-Mails zu beantworten, zu Events zu gehen etc.
  • Ein weiteres, in dem Buch nicht erwähntes, Beispiel ist Dan Kennedy, seit 40 Jahren ein sehr erfolgreicher Unternehmer. Er hat u.a. eine Unzahl an Büchern, Info-Produkten, bezahlten Newslettern usw. veröffentlicht und erreicht das durch ein äußerst striktes Zeitmanagement und indem er sich weitgehend von der Außenwelt abschottet. Er hat Unzugänglichkeit quasi zu einem Markenzeichen gemacht und wurde dennoch – oder gerade deswegen – sehr erfolgreich. Hier gibt er einige Tipps.

a) Für wen sich diese Strategie eignet:

Diese Strategie setzt in gewisser Weise ein „dickes Fell“ voraus und die Bereitschaft, eigene Wege zu gehen und dabei auf Unverständnis oder sogar Kritik der Umwelt zu stoßen.

Das gelingt in der Regel nur, wenn man ein sehr wichtiges Ziel hat, das man mit der Arbeit verfolgt.

b) Wichtiger Erfolgsfaktor:

Niemand kann sich in der heutigen Welt komplett abschotten.

Entscheidend ist also, dass wichtige Nachrichten zu einem durchdringen.

Teilweise arbeiten die erwähnten Persönlichkeiten mit Assistenten zusammen, die eingehende Nachrichten filtern und dafür sorgen, dass die ganz wichtigen Dinge durchdringen und erledigt werden.

Strategie Nr. 4: Das journalistische Modell (Journalistic)

Hier erzählt Cal Newport von Walter Isaacson, hauptberuflich Journalist und außerdem Autor eines 873-Seiten(!)-Werkes mit dem Titel The Wise Men: Six Friends and the World They Made sowie weiterer Biografien.

Besonders beeindruckend bei dem erwähnten Werk ist, dass es in kleinen Zeitabschnitten entstand.

Wann immer Isaacson ein kleines Zeitfenster hatte, zum Beispiel 20 Minuten, schrieb er an seinem monumentalen Werk.

Sein journalistischer Hintergrund half ihm sicher dabei, denn Journalisten sind trainiert, sozusagen auf Knopfdruck und mit kurzfristigen Abgabeterminen zu produzieren.

Gleichwohl ist es beeindruckend, auf diese Weise so ein Riesenwerk entstehen zu lassen.

a) Für wen sich diese Strategie eignet:

Diese Strategie eignet sich dann für Sie, wenn Sie in der Lage sind, sozusagen auf Knopfdruck umzuswitchen in einen Produktionsmodus und in der Lage sind, den Faden dort wieder aufzunehmen, wo Sie ihn haben fallen lassen.

b) Wichtiger Erfolgsfaktor:

Kleine Zeiteinheiten finden sich immer. Die mentale Bereitschaft, diese nicht als Hindernis zu betrachten, sondern als Chance, ist ein wichtiger Faktor.

Oft ist es nur der Kopf, der einem weismachen will, dass man viel Zeit am Stück brauche.

Auch in kleinen Zeiteinheiten lässt sich Erstaunliches erreichen.

Gelegentlich mache ich diese Übung mit meinen Klienten: Wir unterbrechen die Coaching-Session und die Klienten schreiben in 15 Minuten etwas für die Website, eine Seminarankündigung, einen Buchrückentext.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie gut das funktioniert.

Welche Strategien nutzen Sie?

Nun bin ich gespannt, wie Sie verfahren.

Nutzen Sie bereits heute eine dieser vier Strategien oder eine Kombination davon? Was funktioniert dabei? Welche Herausforderungen gibt es? Oder machen Sie es ganz anders?

Teilen Sie Ihre Erfahrungen hier. Das hilft allen weiter.

Der Beitrag erschien erstmals am 06.09.2016. Letztes Update am 23.01.2018​

Bildnachweis:

Buchcover: Piatkus-Verlag

Ich bin Monika Birkner und unterstütze vielseitige Solopreneure, gerade wegen ihrer Vielfalt erfolgreich zu sein und ein Business zu schaffen, das größer ist als sie selbst.

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